﻿144 Ueïjcr das physiolog. Privat-Laboratorimn an der Universität Leipzig.
hergestellt, den man halbe Stunden lang nnd mehr beobachten und erläutern kann.
Anfangs filtrirt die Kochsalzlösung, wenn ihr nicht etwas Gummi arab. zugesetzt ist, oft ziemlich stark durch die Herzwandungen hindurch, und man muss dann von Zeit zu Zeit etwas Flüssigkeit in den Venentrichter nachfüllen, später vermindert sich das Durchfiltriren und hört meist vollständig auf.
7. Endlich habe ich das fortpulsirende Froschherz dieses Kreislaufschemas in einen mit Kochsalzlösung gefüllten Glastrog mit planparallelen Wänden getaucht und in scharfem, theilweise durchscheinendem Schattenriss vermittelst der stärker vergrössemden Linse meines Apparates auf das gegypste Wandfeld projicirt, um den Rhythmus und die Formveränderungen der einzelnen pulsirenden Herzabschnitte zu demonstriren. Selbstverständlich wurde das Reversionsprisma eingeschaltet, damit das schlagende Froschherz in aufrechter Stellung erscheine und seine Beziehungen zum Zuge der Schwere in natürlicher Richtung erkennen lasse.
Um eine Idee von der Schaubarkeit dieser überraschenden Demonstration zu geben, erwähne ich nur, dass der Längsdurchmesser des an der Wand erscheinenden Schattenrisses des schlagenden Herzens an 2 Meter betrug.
Diese neuartige D emonstration des lebendigen Herzschlages hat aber auch einen wissenschaftlichen Werth, indem bei der Schärfe der Contouren des Schattenrisses und bei der bedeutenden Vergrösse-rung der Bewegungen Details der Contractionen der Herzabschnitte zu beobachten sind, welche dem unbewaffneten Blicke entgehen oder kauiü sichtbar werden. In dieser Beziehung hebe ich hervor, dass die unregelmässigen tetanischen und peristaltischen Contractionen beim allmählichen Absterben des Herzens durch zunehmende Erwärmung in einer Mannigfaltigkeit auftfeten, von der man bisher kaum eine genügende Vorstellung hatte.
Schliesslich ergreife ich mit Freuden die Gelegenheit den Herren Dr. Ernst Fleischl aus Wien und Dr. Lüciani aus Bologna für die gefällige und geschickte Assistenz, die sie mir bei diesen Demonstrationen zu leisten die Güte hatten, meinen herzlichsten Dank öffentlich auszusprechen.
Leipzig, 22. December 1872.