126 	Ueber das physiologische Privat-Laboratorium

herbeizuschaffen sein, denn ich kann und will mich nicht wieder zu
übermässigen, für meine Individualität aufreibenden Anstrengungen
drängen oder drängen lassen.
	Durch die somit problematisch gewordene Aussicht auf meine
eigene regelmässige Lehrthätigkeit soll aber Das, was ich hier ge-
schaffen habe, nicht der sofortig en Verwerthung für Lehrzwecke
entzogen bleiben. Ich wiederhole, dass ich dieses Amphitheater mit
allen seinen bisher vollendeten Einrichtungen dem Herrn Rector Mag-
nificus bezüglich ihrer, mit mir zu vereinbarenden Benutzung für Uni-
versitätszwecke zur Verfügung stelle. -
	Doch ich wollte berichten, wie ich vor drei Jahren die Realisirung
meiner damaligen Ideen und Pläne mit der Ausarbeitung und Aus-
führung des Speetatoriums und der an dasselbe stossenden Arbeits-
räume in Angriff nahm.
	Zu diesem Ende reiste ich noch vor Weihnachten 1869 nach
London, um die mir von früherher wohlbekannten ; vielfach erprobten
Hörsäle der Royal Institution, der Royal School of Mines und des poly-
technischen Instituts nochmals genauer in Augenschein zu nehmen.
	Der collegialen Liebenswürdigkeit HUXLEY'S verdankte ich das
werthvolle Geschenk einer genau und schön ausgeführten architekto-
nischen Planskizze des auf circa 300 Zuhörer berechneten Auditoriums
der R. School of Mines (Yermynstreet); durch die freundliche Ver-
mittelung TYNDALL'S durfte ich, mir den an 1000 Personen fassenden
berühmten Hörsaal der Royal Institution (Albemarlestreet) von einem
englischen Architekten ausmessen und architektonisch entwerfen
lassen. Die Hörsäle des polyteehniseheu Instituts und, andere Räum-
lichkeiten dieser Art, welche ich besuchte, habe ich mir selbst 
flüchtig
-	skizzirt. Ich kann hierbei nicht unerwähnt lassen, dass ich vor 
Jähren,
noch durch FARADAY selbst, an einen der Lecturers des polytechni-
sehen Instituts empfohlen worden war - und so dauerhaft und treu
bewähren sich einmal geschlossene freundliche Beziehungen in Eng-
land, dass ich auch diesmal die wärmste, meinen Absichten förderlichste
Aufnahme und Unterstützung bei dem leitenden Personal jenes Insti-
tutes fand, obschon der Herr, an den mich FARADAY damals empfohlen
hatte, zufällig gar nicht anwesend war.
	Noch muss ich dankend erwähnen, dass mir TYNDALL ein Exem-
plar von ROeERS SMrrH's: »Rudimentary treatise on the Acoustics of
public Buildings« (London, 1861) verehrte, bei dessen Durchsicht ich
auf LACHEZ' Brochure »Acoustique et Optique des salles dc reunions
publiques« (Paris, 1848) aufmerksam wurde; die ich mir dann später
in Leipzig durch Herrn A. DfRR verschaffte.
