﻿an der Universität Leipzig.
127
So hatte ich rasch ein ansehnliches, weiterhin noch vermehrtes Material gewonnen, welches mir Muster und Vorlagen zur Entwerfung des eigenén Auditoriumplanes lieferte.
Nun handelte es sich darum, ausser einem geeigneten Bauplatz, der bei dem definitiven Entwurf natürlich berücksichtigt werden musste, auch einen Architekten zu finden, welcher auf die technische Ausführung meiner Ideen einzugehen gewillt und befähigt war.
Die Verhandlungen wegen Ueberlassung eines Bauplatzes in den Hof- und Gärtenräumen des Augusteum’s, welche ich zunächst einleitete, zerschlugen sich, dagegen erwarb ich im Frühjahr 1870 ein zwischen der Querstrasse und Salomonstrasse gelegenes Grundstück, auf welchem ich mein Familienwohnhaus zu bauen gedachte, — und bei dieser Gelegenheit lernte ich nicht nur in Herrn Gustav Müller einen kenntnissreichen und für die Ausführung des von mir geplanten Laboratoriums nebst Spectatorium alsbald in hohem Grade sich inter-essirenden Architekten kennen, sondern ich fand auch den geeignetsten Bauplatz für das letztere — mitten im Garten des glücklich aequi-rirten Grundstückes selbst, welches weder von der inneren Stadt und dem Augusteum, noch vom Johannisthal, wo all die neuen Institute und Laboratorien der Universität beisammenstehen, allzuweit entfernt ist.
Auf Grundlage des von mir gesammelten Materials entstanden nun im genussreichen Zusammenwirken mit Herrn Müller allerlei Entwürfe und Skizzen, von denen endlich die folgende zur Ausführung gelangte.
Ich habe Ihnen hier den Grundriss (Fig. 1) und verschiedene Durchschnitte (Fig. 2 und 3) des neuen physiologischen Privat-Labo-ratoriums unserer Universität an die Wand gehängt.
Sie sehen, das Gebäude zerfällt in zwei aneinanderstossende Hälften, erstens (B) in die kleineren, in zwei Etagen Uber einander liegenden und auf Kellergewölben ruhenden Räume, welche zu wissenschaftlichen Arbeiten, zu den VorlesungSYorbereitungen, zur Unterbringung von Instrumenten, Materialien etc. und zur Assistenten- und Dienerwohnung bestimmt sind, und zweitens (A) in das Auditorium nebst Garderobe.
Nur diese zweite grössere Hälfte meines Gebäudes — das Auditorium oder »Spectatorium« nämlich ■— will ich ausführlicher besprechen, weil es einer besondern Beachtung werth sein dürfte.
Ich habe mich nach langen Erwägungen für die definitive Annahme des allgemeinen Grundrisses des berühmten Hörsaals der londoner Royal Institution entschlossen, in welchem Davy, Faraday