an der Universität Leipzig.	121

	Der Werth und die Tragweite eines Unternehmens, dessen Ziel
nicht die oberflächliche sog. ))Popnlarisirung((, sondern die möglichste
Verbreitung einer möglichst gründlichen Bekanntschaft mit der
heutigen Physiologie ist, dürfte hiernach wohl einleuchtend genug sein.
	Die mancherlei Bedenken, die ungewöhnlichen Schwierigkeiten,
welche sich der Art der Durchführung dieses Unternehmens, wie sie
mir als die allein zum Ziele führende vorschwebt, entgegenstellen,
habe ich niemals verkannt und in jener Antrittsvorlesung auch aus-
drücklich betont und hervorgehoben.
	Ich scheue mich nicht geradezu zu bekennen, dass sich mir jene
Bedenken und Schwierigkeiten in dem Maasse steigerten, als ich mich
vor nunmehr drei Jahren mit ihrer Beseitigung und Ueberwindung
praktisch zu beschäftigen begann, und zur Herstellung und Aus-
führung von besonderen Baulichkeiten und von gewissen optisch-
mechanischen Einrichtungen fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen
angewiesen war.
	Es ist mir schmerzlich hinzufügen zu müssen, class namentlich
zwei auswärtige Optiker und Mechaniker, welchen ich überdies gerade
mein vollstes Vertrauen geschenkt hatte, in der unverantwortlichsten
Weise durch ihre Unzuverlässigkeit und sonstiges Verhalten mein Ver-
trauen missbraucht und mich im Stich gelassen haben, so dass ich
noch vor Beendigung des grösseren Theiles meiner Aufträge alle ihre
Arbeiten sistiren musste. Auch andere widrige Umstände, die mit der
Ausführung irgend welcher baulichen Anlagen unvermeidlich verknüpft
zu sein scheinen, dann die Schwierigkeit einen geeigneten Assistenten
zuflnden1) u. s. w., haben, sowohl im Grossen und Ganzen Verzöge-
rungen und Hemmungen herbeigeführt, als auch Einzelnes, was mir
besonders nothwendig und wllnschenswerth erschien, zum rfheil wohl
für immer, ganz vereitelt, so dass, trotz aller Mühe und Zeit, die ich
aufgewendet, trotz aller materiellen Opfer, welche ich gebracht habe,
das Wenigste von Dem bereits herbeigeschafft und vollendet worden
ist, was ich für absolut unentbehrlich erachte, um, wie ich hoffen
durfte, schon jetzt einen Anfang mit dem beabsichtigten a ph ys 1010-
gischen Anschauungsunterricht« zu machen.
	Ja, ich kann mir heute, Ihnen gegenüber, das offene Geständniss
nicht ersparen, dass ich mich gar nicht abzusehen vermag, wann endlich

	1 Nachträglich bemerke ich, dass ich noch immer einen jungen Mann suche,
der praktische physikalische und chemische Kenntnisse, manuelle Geschicklich-
keit und mechanische Fertigkeiten besitzt. Gelehrte Bildung ist nicht 
erforderlich.
Anträge würden mir willkommen sein!
