124 	IJeber das physiologische Privat-Laboratorium

unmittelbaren Anschauung der Zuhörer im Detail dargeboten
werden müssen, wenn sie, zu innigem Verständniss gebracht, jene
aufklärenden und veredelnden Wirkungen in den Geistern hervor-
bringen und hinterlassen sollen, welche von der eingehenden Beschäf-
tigung mit der modernen Physiologie sicher zu erwarten sind.«
	»Dazu kommt noch, dass, indem die Physiologie alle Lebensäusse-
rungen als Verrichtungen bestimmter Organe festzustellen und aus den
elementaren Bedingungen d. h. aus dem anatomischen Bau und der
physikalisch-chemischen Constitution derselben mit Nothwendigkeit
herzuleiten - oder was dasselbe sagen will - nach mechanischen
Principien zu erklären hat, der Vortrag, welcher bei dem gemischten
Zuhörerkreise keinerlei specielle Fachkenntnisse voraussetzen darf,
mit der Darstellung der descriptiven und mikroskopischen Anatomie
und der physikalisch-chemischen Eigenschaften der functiothrenden
Theile beginnen muss.«
	»Auch bei diesen Darstellungen ist es wieder nur die u um itt cl -
bare Anschauung, welche ein eingehendes und richtiges Ver-
	ständniss zu vermitteln im Stande ist 	und so sehen Sie,
m. h. A.! es häufen und steigern sich die mir unerlässlich 
erscheinenden
Forderungen an die demonstrativen und experimentellen Hilfsmittel
des Vortrags und demgemäss die inneren und äusseren Schwierigkeiten
des ganzen Unternehmens zu einer fast abschreckenden Höhe.«
	»Endlich darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass in dem even-
tuellen Erfolg des Unternehmens s cl b s t eine Gefahr für dessen 
glück-
liche Durchführung liegt. Ich meine: mit der Grösse des Zuhörerkreises
und mit seinem Wachsthum, welches nicht ausbleiben kann, wenn
Form und Inhalt der Vorträge ein wirkliches Bediirfniss zu befriedigen
geeignet befunden werden sollten, muss sich natürlich auch die Be-
quemlichkeit - theilweise sogar die Möglichkeit, all' das 
Erforderliche
ohne ganz besondere Veranstaltungen in entsprechender und ausrei-
chender Weise zu demonstriren, vermindern, und dies könnte leicht in
einem so bedenklichen Grade geschehen, dass die unerlässliche un-
mittelbare Anschauung, auf welcher der didaktische Erfolg zum grössten
Theil beruht, illusorisch würde.«
	»Es muss also von vornherein die skrupulöseste Vorsorge getroffen
werden, dass alle die verschiedenartigen Demonstrationen einen ganz
besonderen Grad von Ersichtlichkeit und Vollendung erhalten, und dass
das Vorlesungslokal ausreichende Dimensionen habe, und mit eigen-
thiimliehen Einrichtungen ad hoe versehen werde, welche das Lokal
aus einem blossen Auditorium zugleich recht eigentlich zu einem -
	sit venia verbo	Spectatorium zu machen geeignet sind.«
