an der Universität Leipzig.	139

städtische Wasserleitung gespeistes grosses Reservoir mit Schwimm-
hahn in dem senkrecht darüber befindlichen Bodenraum angebracht
wurde.
	Ich öffne nun hier im Fussboden eine Klappe und ziehe einen
Treibriemen hervor, den ich fiber das Rad dieser Welle lege, welche
von einem festen tischartigen Gestell getragen wird.
	Drehe ich jetzt an diesem an der Wand befindlichen Rad nach
links, so öffne ich vermittelst eines über Rollen gehenden Gutta-
perchastranges den Triebhahn der Turbine im Keller. Sie hören an
einem fernen dumpfen Geräusch, dass sieh die Maschine in Bewegung
gesetzt hat. Die Welle läuft, wenn ich den Auslösungshebel einstelle,
und ich kann nun jeden mit der Stufenscheibe der Welle durch eine
Schnur in Verbindung gesetzten Apparat z. B. den Blasebalg zur
künstlichen Athmung, irgend einen Registrir-Apparat, eine Centrifuge
ii. dgl. treiben.
	Zur Regulirung der Geschwindigkeit des Ganges der Apparate
dient nicht nur die Stufenscheibe der Welle, sondern es ist auch mög-
lich, abgesehen von der Kraftregulirung der Turbine im Keller unten,
durch beliebige Einstellung des Partial-Fächerrades, die TJmdrehungs-
geschwindigkeit der Welle selbst in weiten Grenzen von hier aus zu
variiren, indem man an jenem zweiten Rade an der Wand dreht, wo-
durch die mit zwei Coni's versehene Transmission den Treibriemen,
bei gleichbleibender Kraftentwicklung der Turbine, rascher oder lang-
samer umlaufen macht.
	Noch hätte ich die Heizungs- und Ventilations-Einrichtungen des
Amphitheaters zu besprechen, doch ich begnüge mich mit den folgen-
den Andeutungen, da Herr Architekt MÜLLER mit meiner Zustimmung
eine detailirte und illustrirte Beschreibung meines ganzen Laborato-
riums für Bauverständige zu publiciren gedenkt.
	Es sind im mittleren Kellerraum, gerade unter der Arena des
Amphitheaters vier Caloriferen angebracht, welche je nach der Ein-
stellung grosser Ventile entweder aus dem Zuhörerraum selbst oder
durch unterirdische Canäle aus der freien Atmosphäre Luft entnehmen.
Die frische erwärmte Luft dringt in unmerklichem Strome, theils auf
einem Umwege durch die Garderobe, welche hierdurch ebenfalls
temperirt wird, theils d.i r e et in den Zuhörerraum, von wo sie fort-
während durch grosse Ventilations-Kanäle abgesaugt wird, so dass
ohne den geringsten wahrnehmbaren Zug eine continuirliche Circula-
tion der Luft erreicht und jede störende Anhäufung von Hitze und
Ausdünstungsproducten vermieden ist. Leider hat Herr KELLING aus
Dresden die Anlage allzusehr complicirt, so dass deren Bedienung zu
