﻿Vorwort.
Iu Jena werden seit mehr als zwei Decennien alljährlich während des Wintersemesters im Saale des akademischen Rosengebäudes wissenschaftliche Vorlesungen aller Art vor einem zahlreichen. überwiegend aus Damen bestehenden Publikum ahgehalten.
Der Ertrag dieser »RosenVorlesungen«, welche ursprünglich der um Jena so hochverdiente, erst kürzlich verstorbene Geheime Hofrath Prof. Göttling ins Leben gerufen hatte, um sich reichlichere Mittel zur Gründung und Erweiterung des archäologischen Museums der Universität zu verschaffen, wird zu verschiedenen gemeinnützigen Zwecken bestimmt.
Abgesehen von dieser materiellen Seite der Sache hält man es in Jena von vielen Seiten für eine Art moralischer Verpflichtung eines Akademikers dem gebildeten Publikum der Universitätsstadt gegenüber, an dem Unternehmen der Rosenvorlesungen activ sich zu betheiligen.
Ich habe mich als Mitglied des hiesigen Senats und der medicini-sclien Facultät einer solchen Betheiligung an diesem Unternehmen um so weniger entziehen zu dürfen geglaubt, als ich die Meinung mancher achtungswerthen Fachmänner nicht theile, dass es werthlos sei, und die Wissenschaft profaniren heisse, dem Laienpublikum sogenannte » p o p u 1 ä r e V o r 1 e s u n g e n « zu halten, sondern im Gegen-theil fest überzeugt hin, dass wissenschaftliche Vorträge, welche keinerlei sachliche Vorkenntnisse voraussetzen, sondern unter Anwendung einiger Einbildungskraft und Aufmerksamkeit von Jeder-m a n n verstanden werden können — und hierdurch allein dürfen und
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