﻿16
Populäre physiologische Vorträge.
tritt die kurze Zusammenziehung oder Systole der Vorhöfe zuerst auf, und zwar beginnt sie an den Mündungen der grossen Venenstämme und pflanzt sich mit grosser Geschwindigkeit über die ganze Vorkammer fort.
Der grösste Theil des eingeschlossenen Blutes wird infolge dessen durch die klaffenden Zipfelklappen in die schon gefüllten Kammern hineingetrieben und muss dieselben plötzlich ausdehnen. Wie nun die kurze Zusammenziehung der Vorkammer nachlässt, schliessen sich die Zipfelklappen sofort, indem das in die erschlaffende Vorkammer aus dem überfüllten und gespannten Ventrikel infolge elastischen Rückschlags zurückstrebende Blut die einzelnen Zipfel segelartig hervorwölbt und gegeneinanderpresst. Ein Umschlagen der Zipfel nach oben verhindern die Sehnenfäden, die vom Rande und der untern Fläche derselben nach unten zu den warzenförmig vorspringenden Muskel-Zapfen des Grundes der Kammern gehen. Das Blut versperrt sich auf diese Weise selbst den Rückweg und bleibt in der Kammer eingeschlossen.
Dies alles ist das Werk eines Augenblicks am Ende der Vorhofsystole, und wenn nun auf die Vorliofsystole, wie Sie sahen, sofort die Systole der Kammer erfolgt, so muss sie das in ihr eingeschlossene Blut durch die sich in dieser Richtung leicht öffnenden Taschenventile in die Arterien hineintreiben, da kein anderer Weg offen steht, auf dem das gepresste Blut entweichen könnte, denn die geschlossenen Zipfelklappen schliessen nur um so sicherer und fester, je mehr der Druck von unten wächst.
Nachdem sich die Kammer von Blut entleert hat, verfällt sie in Erschlaffung. Das Blut würde nun sofort aus den überfüllten Arterien in dieselbe zurückströmen, wenn nicht die Taschenventile der Arterienwurzeln durch das zurückstrebende Blut selbst im Augenblicke entfaltet, aufgebläht, gegeneinandergepresst und geschlossen würden, wie vorhin die Zipfelklappen zwischen Vorhof und Ventrikel.
Die erschlaffende Kammer kann sich also nur von der Vorhofseite her mit neuem Venenblute füllen, denn die Zipfelklappen öffnen sich in dieser Richtung widerstandslos, während die Taschenventile fest geschlossen bleiben.
In dem nun eintretenden Moment der Pause wird das in allen vier Abschnitten erschlaffte Herz wieder vollständig mit Blut aus den Venen gefüllt und der folgende Herzschlag pumpt es neuerdings in die Arterien hinein — und so fort und fort, so dass durch den angegebenen Mechanismus der Herzpumpe dieVenen immerfort entleert, die Arterien immerfort gefüllt werden.