10 	Populre physiologische Vortrage.

die dnnwandigen vensen Rhren v, welche in die rechte Vor-
kammer mnden. Diese communicirt mit der rechten Kammer, aus
welcher wieder ein dickwandiges arterielles Rohr a' entspringt, das
sich baumfrmig verstelt und in der Lunge L, und zwar aus s dill es 
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Ii c lt in der Lunge, in das Capillarnetz c' auflst, dessen mikrosko-
pische Rhrchen wieder zu strkern dnnwandigen vensen Gefssen v'
verschmelzen, die als Lungenvenen direct in die linke Vorkammer und
durch diese endlich in die linke Kammer fhren. Wir sind an unserm
Ausgangspunkte wieder angelangt,. indem wir den ganzen Rhren-
cirkel durchliefen. Sie sehen, dass derselbe aus zwei Hlften besteht.
Die kleinere Hlfte desselben fhrt durch die Lunge L und verbindet
die rechte Kammer mit der linken Vorkammer, die grssere Hlfte
umfasst den ganzen Krper K und verbindet die linke Kammer mit der
rechten Vorkammer. Da beiderseits Vorkammer und Kammer direct
communiciren, so schliesst das Herz die kleine oder Lungenhlfte
mit der grossen oder Krperhlfte des Gefsssystems zu einem
einzigen und ganzen Rhrencirkel zusammen
	Ausgestattet mit der Kenntniss der Anatomie des Herzens und des
Gefsssystems, knnen wir nun zur physiologischen Betrach-
tung der Herzthtigkeit und der mechanischen Leistung des Herzens
als eines Pumpwerks bergehen.
	Die Thtigkeit des Herzens besteht in rhythmischen, d. h. nach
bestimmtem Rhythmus abwechselnden Zusammenziehungen und Er-
schlaffungen der contractilen Fleischwnde seiner vier Abschnitte. Den
Zustand der Zusammenziehung nennt man S yst ole, den Zustand der
Erschlaffung Dia stole.
	Whrend der Diastole (Erschlaffung) fllen sich die Herzhohlen
mit Blut und werden erweitert und ausgedehnt; whrend der Systole
hingegen verengern sie sich und entleeren das in ihnen enthaltene 
Blut.
	Die beiden Herzhlften arbeiten genau synchronisch, d. h.
die Vorkammern beider Hlften verfallen genau zur selben Zeit in
Systole und dann in Diastole, ebenso die beiden Kammern; dagegen
arbeitet Vorkammer und Kammer derselben Seite ungleichzeitig.
	Es erfolgt nmlich die Systole der Vorkammern whrend der
Diastole der Kammern und umgekehrt; auch dauert bei den Vorkam-
mern die Diastole weit lnger als die Systole, whrend bei den Kammern
Systole und Diastole etwa die gleiche Dauer haben.
	Der Rhythmus der Herzbewegung wird dadurch ein complicirter,
und man fasst ihn noch am leichtesten auf, wenn man sich zunchst
das ganze Herz, alle vier Abschnitte desselben, in Diastole - er-
schlafft denkt. -
