I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe. 	I I

	Zuerst tritt die kurze Systole der beiden Vorkammern auf - dann
folgt sofort die lange Systole der Kammern, whrend die Vorkammern
bereits wieder erschlaffen und erschlafft bleiben; sodann geht auch
die Systole der Kammern in Diastole ber und damit ist wieder das
ganze Herz erschlafft und verharrt einige Momente in diesem Zustand,
welchen man die Pans e nennen kann, - bis wieder die Systole der
Vorkammern die Reihe der Bewegungen beginnt, deren einmaliger
Ablauf einen sogenannten Herzschlag darstellt. Der Herzschlag
zerfllt also in drei Momente: 1. Moment, charakterisirt durch die
Systole der Vorkammern; 2. Moment, charakterisirt durch die Systole
der Kammern; 3. Moment, charakterisirt durch die diastolische Er-
schlaffung smrntlicher Herzabschnitte.
	Der erste Moment nimmt sich, musikalisch gesprochen, nur wie
ein Auftakt oder Vorschlag aus zu dem zweiten Moment, whrend der
dritte Moment, die Pause, sehr variable Zeitwerthe hat.
	Auf diese bios beschreibende Auseinandersetzung des Rhythmus
der Herzbewegungen will ich mich jedoch nicht beschrnken. Ich will
Ihnen denselben vielmehr an einem blossgelegten lebendig schlagenden
Thierherzen unmittelbar zur Anschauung bringen.
	Erschrecken Sie nicht, meine verehrten Damen und Herren! Es
soll dabei keine jener Grausamkeiten Ihnen vor Augen gefhrt werden,
welche man den Physiologen - freilich gedankenlos genug - so sehr
zum Vorwurf macht. Ich sage g e danken 10 s, weil man im blinden
Eifer der thierfreundlichen Entrstung eben nicht daran denkt, einer-
seits, dass der Fortschritt der Wissenschaft und Kenntniss vom Leben
ohne experimentelle Eingriffe in den lebenden Organismus ab s ol ut
unmglich ist; andererseits aber, dass die Grausamkeiten unserer glor-
reichen Schlachtfelder und - unserer Kitchen quantitativ wie qualitativ
jene der physiologischen Laboratorien bei weitem bertreffen.
	Kann man aber in den Jubel der Via triumphalis mit Begeisterung
einstimmen; kann man sich dem Gensse einer leckern Schssel leben-
dig aufgebrochener Austern, lebendig gesottener Krebse, zu Tode
gehetzten Wildes, einer Pastete aus Fettlebern gestopfter Gnse u. s. w.
u. s. w. mit ruhigem Behagen hingeben - dann wird man sich doch
wol auch ohne Gewissensbisse erlauben drfen, Experimente
an lebenden Thieren zu machen und die hervorgerufenen Erscheinungen
mit Gemllthsruhc und ungestrter Aufmerksamkeit zu beobachten! -
Oder ist etwa die Befriedigung materieller leiblicher Gensse und ehr-
geiziger staatlicher Machtforderungen grsserer, ja auch nur gleicher
Opfer werth, als die Befriedigung eines der hchsten und edelsten
Bedrfnisse des menschlichen Geistes - des wissenschaftlichen
