I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe. 	1 7

	Die Herzpumpe fördert nur in der Richtung von den Venen gegen
die Arterien, nicht aber umgekehrt, weil die Ventile nur in der ersten
Richtung sich öffnen, in der letzteren aber, wie angegeben, absolut
schliessen.
	So also wirkt das Herz als Pumpwerk! Wie kommt nun durch
diese rhythmische Herzwirkung eine continuirliche Kreislaufbewegung
des Blutes innerhalb des in sich geschlossenen Gefässröhrencirkels
zu Stande?
	Einfach so: Wir sahen, dass das Blut durch das schlagende Herz
aus den Venen fort und fort in die Arterien hinübergepumpt wird.
Mit jedem Herzschlag steigt der Druck und die Spannung des Blutes
in den sich überfüllenden elastischen Arterien, wodurch, beiläufig be-
merkt, der sogenannte Puls entsteht, während Druck und Spannung in
den sich entleerenden Venen fällt.
	Da nun die Arterien mit den Venen durch die Capillarröhrchen
unmittelbar zusammenhängen, so muss das Blut aus den Arterien durch
die Capillaren hindurch in die Venen überströmen.
	Wohin sonst könnte auch das in die Arterien eingepumpte Blut
entweichen? Direct ins Herz zurück kann es nicht, weil die Taschen-
ventile an den Arterienwurzeln den Weg in dieser Richtung sperren,
anderweitige Oeffnungen in den Wänden gibt es nicht -also muss das
Blut gegen die Capillaren fliessen und durch die Capillaren in die
Venen hineingepresst werden und in diesen wieder nach dem Herzen
zurückströmen.
	Indem nun die Spannung und Ueberfüllung der Arterien eine
solche Höhe erreicht, dass eine genau gleiche Blutmenge continuirlich
aus den Arterien durch die Capillaren in die Venen überströmen muss,
als das pumpende Herz rhythmisch aus diesen letzteren in die Arterien
hiflttbertreibt - so wird Ihnen ohne Zweifel klar sein, wie sich auf
diese Weise durch die rhythmische Herzthätigkeit eine das ganze Leben
hindurch dauernde Circulation des Blutes von der angegebenen Strö-
mungsrichtung innerhalb des Gefässröhrencirkels herstellt!
	Werfen wir jetzt nochmals einen Blick auf das Schema der Ge-
fässröhrencirkel (vgl. Fig. 4), um den Kreislauf und die augenfälligen
Veränderungen des strömenden Blutes innerhalb des Gefässsystems
im Zusammenhange zu verfolgen, so ergibt sich Folgendes:
Das Blut strömt vom linken Ventrikel durch die Arterien (a)
nach den Capillaren (c) aller Körpertheile (K(, in denen es Sauerstoff
abgibt, Kohlensäure aufnimmt und seine helirothe Farbe verliert;
dann strömt es aus diesen Körpercapillaren durch die Venen (v) in den
r e eh ten Vorhof, aus dem rechten Vorhof in die rechte Kammer (wie

Czermak, Schriften. II.	2
