	I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe.	23

und den Blutgefässen hinabsteigen und (daselbst ihr Ende findend)
v er s eh i e dene Wirkungen auf die Thätigkeit des Herznervensystems
und somit auf den Herzschlag selbst ausüben.
	Die neuere Experimentaiphysiologic, welche sich die Aufgabe
stellt die normalen Lebensvorgänge zu ermitteln und aus den erkannten
materiellen Bedingungen mit Nothwendigkeit herzuleiten - d. Ii. zu
erklären - hat hierüber folgende wichtige Thatsachen sichergestellt.
	a) Der eine dieser Nervenfaserzüge, welcher vom Gehirn durch
das Rückenmark und weiterhin zum Theil durch die Bahnen des soge-
nannten sympathischen Nervensystems an seinen Bestimmungsort ge-
langt - enthält Nerven, die (wenn sie gereizt werden) die Thätigkeit
des Herznervensystems erhöhen, indem sie die in den Ganglien
entstehenden Triebkräfte und Reizungszustände mittelbar oder un -
in itt elba r vermehren. Die Energie der Herzarbeit wächst infolge
dessen. Der Entdecker jenes Theiles dieser Nerven, welche die Fre-
quenz der Herzschlage unmittelbar erhöhen, mein Vorgänger im
Amte, Professor VON BE, ZOLD, hat dieselben deshalb die excitirenden
Nerven genannt. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass jener
a n der e Theil dieser Nerven, welcher die Herzthätigkeit nur mitt cl -
bar oder indirect vermehrt, die schon längst bekannten Gefäss-
nerv en sind, welche gar nicht ins Herz selbst gelangen, sondern in
den eontractilen Wandungen der Gefässe ihre Verbreitungsgebiete
haben. Aber, indem sie die Gefässwandungen zur Zusammenziehung
veranlassen und hierdurch eine mächtige Steigerung des Blutdrucks
bewirken, vermehren sie ebenfalls - wenn auch nur indirect - die
Energie der Herzthätigkeit.
	Es würde mich zu weit fuhren, wollte ich Ihnen genauen Be-
richt über die Fortschritte abstatten, welche seit den bahnbrechenden
Untersuchungen VON BEZOLD'S auf diesem Gebiete der Experimental-
physiologie gemacht worden sind. Für unseren Ziveck genügt es
zu wissen, dass es Nerven gibt, deren Bahnen man kennt, welche
das Herz excitiren, gleichgültig ob sie dies mittelbar, wie die
Gefässnerven, oder u n mittel b a r, wie die VON BEzOLD'schen Ner-
ven thun.
	b) Der z weite der beiden die Thätigkeit des Herznervensystems
beeinflussenden Nervenfaserzüge, welcher auch vom Gehirn entsprin-
gend, direct in der Bahn des sogenannten herumschweifenden Nerven
oder Nervus vagus an beiden Seiten des Halses zum Herzen hinab-
steigt, fuhrt hingegen Nerven, deren Reizung die Herzthätigkeit
h em m en, indem sie die Widerstandseinrichtungen des Herznerven-
systems v er s t ä rk en, so dass sich die Pausen zwischen den Herz-
