I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe. 	25

	Es kommen hier im Allgemeinen die folgenden vier Fälle in
Betracht.
	1) Ist der erregende Einfluss des Gehirns auf die exeitirendeu
Nerven s owe 1 als auf die h em men d en ein sehr geringer oder gleich
Null, so arbeitet das Herz energielos, die Pulse sind verhältnissmässig
selten und schwach.
	2) Steigt einseitig der exeitirende Einfluss, so nimmt die Zahl
der Herzschläge immer mehr zu, ohne dass die Energie der Schläge
entsprechend vermehrt würde. Der Herzschlag ist häufig, aber
schwach.
	3) Ueberwiegt plötzlich die Wirkung der hemmenden Nerven,
so bleibt das Herz kürzere oder längere Zeit in Erschlaffung ganz still-
stehen, oder schlägt nur in längeren Pausen fort; die Energie der ein-
zelnen Schläge ist aber vermehrt. Der Herzschlag wird also seit en,
aber stark sein.
	Endlich 1) steigert sieh die Reizung in b eid en Nervenbahnen
zugleich, so kommt es zu jener stürmischen Herzaetion, welche so
viele unserer heftigen und leidenschaftlichen Gemilthsaffecte begleitet.
Das Herz pocht stark und zugleich sehr frequent. So also be-
herrscht das Gehirn vermittelst jener beiden Nervenbahnen den Herz-
schlag. -
	Werden diese Bahnen durchschnitten, so ist das verknüpfende
Band zerrissen - der Einfluss des Gehirns auf das Herz ist damit
vernichtet! Beweis genug, dass es keinen andern, etwa gar
mysteriösen Zusammenhang vermittelst der berüchtigten sogenannten
Lebenskraft zwischen Hirn und Herz gibt.
	Ich könnte Ihnen begreiflicherweise alle diese vier möglichen
Fälle an dem mechanischen Schema durch entsprechende Handhabung
des Hegulationshahns )/z) und der Widerstandsschraube (a) anschaulich
vorführen. Ich könnte auf mechanisch ganz analoge Einflüsse und
ganz so, wie wir am Herzen beobachten, s e lt en e und schwache,
häufige und schwache, seltene, aber starke und endlich häu-
fig e und starke Pulsationen des Schiffchens in allmählichem oder
plötzlichem, regelmassigem und unregelmässigem Wechsel hervor-
bringen; - allein hierauf verzichte ich und will Ihnen lieber den
dritten Fall - die hemmende Wirkung der plötzlichen Heizung der in
der Vagusbahn verlaufenden Nerven am le b en d en Menschen -- an
mir selbst durch ein Experiment unmittelbar zeigen!
	Ich habe nämlich die Entdeckung gemacht, dass mein rechter
Nervus vagus, durch eine Eigenthümliehkeit seiner Lagerungsverhält-
nisse und Umgebung am Halse - an einer bestimmten Stelle dem
