28 	Populäre physiologische Vorträge.

Herzstillstand und Verlängerung der Pausen zwischen den einzelnen
Pulsen, welche allmählich ihre frühere Frequenz wieder erlangen.
Bemerkenswerth ist es noch, dass auf den in der Zwischenzeit zwischen
zwei Pulsen ausgeübten Druckreiz der zweite Puls immer noch ohne
merkliche Verzögerung eintritt. Erst auf diesen folgt der Herzstill-
stand und die manifeste Verlängerung der Pausen zwischen den
Herzschlägen.
	Mit dem Eintritt eines Herzschlags sind also im Herznervensystem,
welches die Schläge unmittelbar beherrscht, die Kräfte für den folgen-
den Schlag immer schon so weit vorbereitet und disponirt, dass die
Hemmungsnerven keine Macht mehr über dieselben haben.
Ich bin zu Ende!
	Mit diesem Experiment haben wir den langen Weg durch das
Gebiet der anatomischen, mechanischen und physiologischen Vorstel-
lungen zurückgelegt, welcher uns zum versprochenen Ziele führen 
sollte.
	Was ich Ihnen nun noch zum Schlusse sagen will, sind einfache
Folgerungen aus den rnitgctheilten Thatsachen und Erklärungen.
Ich kann mich daher kurz fassen.
	Sie haben erfahren, dass und wie die Erregungszustände des Ge-
hirns, welche, beiläufig bemerkt, erregender oder lähmender
Natur sein, und sich in beiden Formen den im Gehirn liegenden Ur-
sprüngen der excitirendcn und der hemmenden Herznerven mittheilen
können, auf die Herzthätigkeit in der verschiedenartigsten Weise
modificirend und bestimmend einwirken.
	In s o fern nun die Gemüthsbewegungen Erregungszustände des
Gehirns sind oder doch von solchen stets begleitet werden, wird Ihnen
klar geworden sein, auf welche Weise dieselben, eben vermittelst des
aufgedeckten Nervenmechanismus die Herzbewegungen zu beeinflussen
vermögen.
	So also kommt z. B. der plötzliche Herzstillstand bei einer er-
schütternden Gerntithsbewegung, die eine Trauerbotschaft plötzlich
hervorgerufen, dadurch zu Stande, dass dabei jener Hirntheil, aus
dens die hemmenden Herznerven entspringen, erschüttert wird, und
dass sich diese Erregung innerhalb der Hemrnungsnervenbahncn am
Halse herab fortpflanzt - wie eine Depesche im elektrischen Tele-
graphendraht - und auf die Widerstandsvorrichtungen im Herzen
überträgt.
	So werden bei freudigen Gemtithsaffecten, wo die Pulse rascher
und höher schlagen, jene beiden Hirnregionen materiell gereizt, aus
denen einerseits die excitirenden, andererseits die hemmenden Nerven
ihren Ursprung nehmen und, indem sich diese Reizungen gleichzeitig
