	I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe.	29

bis zum Herzen fortpflanzen, dasselbe durch ihre Gegenwirkung,
wie wir sahen, zu raschen und zugleich starken Schlägen ver-
anlassen.
	Und so in allen Fällen! Die angeführten Beispiele mögen ge-
nügen, denn den allgemeinen Schlüssel zur Erklärung sämmtlieher
möglichen Fälle habe ich Ihnen oben gegeben.
	Wem diese Erklärungen zu mechanisch, zu materiell erscheinen,
der möge Folgendes bedenken.
	Welche Ansicht, welchen Glauben über den Zusammenhang von
Materie und Geist, von Leib und Seele man auch immer haben mag,
- ob man materialistischen oder idealistischen, monistischen oder
dualistischen Anschauungen huldige, - gleichviel! - dass es sich
bei allen jenen Gemüthsbewegungen, welche notorisch mit Verände-
rungen des Herzschlages einhergehen, um materielle Reizungs-
oder Lähmungszustände gewisser Theile des Gehirns handelt, das ist
.eine über alles Meinen und Glauben erhabene, absolut feststehende
Thatsache!
	Und jene beiden Nervenfaserzfige, die auf verschiedenen Wegen
vom Gehirn zum Herzen und den Gefässwandungen ziehen, sind die
Fäden, welche den wunderbaren Zusammenhang zwischen den
Geinliths- und den Herzbewegungen knüpfen - denn es gibt faetisch
keinen andern Zusammenhang zwischen den fraglichen Erscheinungen.
	In diesen Nervenfaserzügen haben wir die geheimnissvolle Ein-
richtung gefunden, in ihnen das materielle Substrat jener Vorgänge
kennen gelernt, welche den Parallelismus zweier so differenter Thätig-
keiten wie Herz- und Gemllthsbewegungen vermitteln.
	Ich aber habe Ihnen damit die exacte physiologische Antwort auf
die Frage gegeben: Wie das Herz zu jener hohen ethischen
Bedeutung kommt, welche ihm der Sprachgebrauch
aller Völker und aller Zeiten beilegt.
