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Populäre physiologische Vorträge.
F o r s c h u n g s t r i e b s ? — Der brutalen Thierquälerei wird kein Yer-nlinftigcr das Wort reden — das wissenschaftliche Experiment ist aber keine Thierquälerei. Und wenn wir hier auch nicht das jesuitische: »Der Zweck heiligt die Mittel« auf unsere Fahne schreiben wollen, so können wir immerhin behaupten, dass der Zweck die Verantwortung für das Mittel mit tragen müsse. Doch genug !
Ich habe Ihnen ja gleich von vornherein die beruhigendsten Versicherungen über die Natur meiner Demonstration gegeben, und wenn ich Ihnen jetzt sage, dass ich bei Beginn der Vorlesung einen Frosch durch meinen Assistenten enthaupten und auf diese Weise in ein besseres Jenseits befördern liess, um ihm sein fortpulsirendes Herz herauszuschneiden, so wird diese Mittheilung Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit für den anzustellenden Versuch hoffentlich ebenso wenig beeinträchtigen, als der Appetit und das heitere Gleichgewicht der Gemüthsstimmung einer Tischgesellschaft gestört wird, welcher man eine Schüssel gebratener Tauben vorsetzt — trotzdem dass jeder Theilnehmer sehr gut weiss, wie vor wenigen Stunden diesen unschuldigen , gefiederten Geschöpfen die Hälse umgedreht und die Köpfe grausam abgerissen wurden.
Ich kehre zu dem Herzen unseres auf dem Altar der Wissenschaft geopferten Frosches zurück. Dasselbe hat wie gesagt, nicht aufgehört zu pulsiren — ja es kann, gegen Trockniss und Kälte geschützt, noch Stunden lang fortfahren rhythmisch und kräftig zu schlagen, wie wenn es noch imgestört an seinem natürlichen Platze, im lebenden Körper sässe.
Es eignet sich somit vortrefflich zur Demonstration des Rhythmus der Herzbewegung. Bei der Grösse dieser Versammlung würde der Versuch jedoch vergeblich sein, das winzige Object den einzelnen Theilnehmern herumzuzeigen. Um dennoch zum Ziele zu kommen und Sie alle zu Augenzeugen der rhythmischen Thätigkeit des Herzens zu machen, werde ich eine kleine optische Vorrichtung benutzen, welche ich vor einigen Jahren für solche Gelegenheiten ersonnen und Kardioskop, d. h. Herz- oder Pulsspiegel genannt habe (vgl. Fig. 5).
Der Pulsspiegel ist ein kleines, leichtes Spiegelchen von Glas oder Metall, welches durch den leisesten Anstoss um eine horizontale Axe hebelartig auf- und abbewegt werden kann und mit dem pulsirenden Körper so in Berührung zu bringen ist, dass sich die Pulsationen des letztem auf dasselbe übertragen. Indem nun die Spiegelfläche mit grellem Lichte beleuchtet wird, entsteht durch Reflexion auf einer gegenüber liegenden Wand ein weithin sichtbares Lichtbild, welches