﻿I. Das Herz und der Einfluss des .Nervensystems auf dasselbe.	15
Durcli längere Betrachtung dieses zierlichen Schauspiels wird es Ihnen leicht sein, den Rhythmus des Herzschlags vollständig aufzufassen.1)
Ich lasse die Lichter im Saale wieder anzünden — eine kleine Störung, die leicht zu vermeiden gewesen wäre, wenn wir uns hier im Rosensaale bereits einer Gasbeleuchtung erfreuten ! —
Nachdem ich Ihnen eben den Rhythmus der Herzthätigkeit auseinandergesetzt und an einem ausgeschnittenen Froschherzen durch mein Kardioskop anschaulich gemacht habe, gehe ich jetzt zur Erläuterung des Mechanismus des Herzens als eines Pumpwerkes über, d. h. zur Erklärung der Art und Weise, wie das Herz durch die abwechselnden Zusammenziehungen und Erschlaffungen seiner vier Abschnitte und durch das Spiel seiner Klappen oder Ventile das Blut im Cfefässsystem des Körpers in einer kreisenden Bewegung von bestimmter Richtung umhertreibt.
Werfen Sie nochmals einen Blick auf die Durchschnittszeichnung der beiden Herzhälften (Fig. 3), und denken Sie sich, dass alle vier Abschnitte in Erschlaffung begriffen und vollständig mit Blut gefüllt sind.
Nach dem auseinandergesetzten Rhythmus der Herzbewegung
1 Um dem Leser eine Vorstellung von der beschriebenen Demonstration mit dem Kardioskop zu geben und ihn zugleich in den Stand zu setzen, sich den Rhythmus der Herzbewegung mit derselben Anschaulichkeit vorzuführen, wie wenn er einer solchen Demonstration selbst beiwohnte, habe ich die Fig. 7 auf der Tafel 1 entworfen. Der Leser braucht nämlich diese Tafel nur herauszunehmen, auf ein Stück Pappe aufziehen und die schwarze Scheibe sowie die weissen Spalten an ihrer Peripherie sauber ausschneiden zu lassen, dann eine lange dicke Stecknadel genau durch den Mittelpunkt der Scheibe in einen Kork zu stossen, um die Scheibe um eine horizontale Axe leicht drehbar zu machen, und endlich den Kork, in welchem die als Drehungsaxe dienende Nadel steckt, an einen Stiel zu befestigen, mit der linken Hand den Stiel zu halten , mit der andern die Scheibe nach rechts in Schwung zu versetzen und vom Rücken der Scheibe her durch die Spalten am Rande in einen Spiegel zu blicken, in welchem sich die Zeichnung der schwarzen Scheibe mit ihren weissen Kreisflächen spiegelt (vgl. das Figiirchen neben der schrvarzen Scheibe); so wird er — wenn ihm derartige optische Vorrichtungen überhaupt noch nicht bekannt sein sollten — mit Staunen gewahren, dass sich die weissen Kreisflächen innerhalb der viereckigen Felder lebhaft auf- und niederbewegen und zwar gen au in derselben Art und mit demselben Rhythmus wie die mondscheibenähnlichen Lichtbilder der Herzspiegel-clien bei der durch Fig. 6 erläuterten Demonstration. Die obern, mehr nach der Peripherie liegenden weissen Kreisflächen entsprechen dem Vorkammerlichtbilde, die untern dem Kammerlichtbilde auf der Wandtafel T in Fig. 6. Sie führen genau dieselben Bewegungen aus wie jene Lichtbilder bei der wirklichen Demonstration, und können daher wie diese den Rhythmus der Herzbewegungen vollkommen anschaulich machen.