﻿24	Populäre physiologische Vorträge.
schlagen vergrössern und das Herz sogar längere Zeit in Erschlaffung stillsteht.
Man hat sie die hemmenden oder regulirenden Nerven genannt: sie wurden vor Decennien von den Gebrüdern Weber in Leipzig entdeckt.
Um Ihnen die erwähnten Wirkungen der excitirenden sowol als der regulirenden oder hemmenden Nerven recht anschaulich zu machen, greife ich wieder zu unserer Maschine (Fig. 8), welche, wie wir sahen, nach demselben mechanischen Princip arbeitet wie das Herznervensystem. — An ihr müssen sich daher auch die excitirenden und die hemmenden Wirkungen demonstriren lassen. Die erste re n dadurch, dass wir die Triebkraft vergrössern — indem wir den Regulationshahn pf des Wasserreservoirs (R) weiter aufdrehen. Ich setze die Maschine in Gang, indem ich den Haupthahn (H) öffne. Nun drehe ich den zweiten Hahn {h) um einige Grade weiter auf. Sie sehen, die Zahl und Energie der Pulsationen des Schiffchens [S) vermehrt sich sofort. Hört die Reizung der excitirenden Nerven auf, so stellt sich die frühere Schlagfolge wieder her. An unserm Schema geschieht dasselbe, wenn ich dem Hahn (h) durch Zurückdrehen seine frühere Stellung wiedergebe. Die letzteren, die hemmenden Wirkungen hingegen imitiren wir durch Vergrösserung des Widerstandes — also dadurch, dass wir das Umkippen des Schiffchens erschweren, indem wir es schräger stellen. Dazu dient die Schraube (s), welche die Gabel (g, g') an dem Prisma (p, p') verstellt. Ich schraube die Gabel tiefer herunter und, Sie sehen, die Pausen zwischen zwei Umkippungen des Schiffchens S vergrössern sich sehr merklich, weil sich nun eine grössere Menge Wasser ansammeln muss, um das Schiffchen zum Umkippen bringen zu können — ja, wenn ich die Gabel plötzlich eine grössere Strecke hinunterschraube, so bleibt das Schiffchen längere Zeit ganz bewegungslos — (Stillstand des Herzens in Diastole).
Zum Herznervensystem, welches die Herzbewegungen unmittelbar beherrscht, zurückkehrend, darf ich wol sagen, dass Ihnen nun die entgegengesetzte Wirkung der hemmenden und der excitirenden Nerven auf dasselbe anschaulich geworden sein wird.
Durch die von den Gehirnzuständen abhängige äusserst mannich-fach abgestufte Gegenwirkung, d. h. durch die Steigerung oder Schwächung des einen oder des anderen, oder beider dieser Einflüsse wird thatsächlich in jedem Momente des Lebens die Thätigkeit des Herznervensystems bestimmt und von dieser hängt dann unmittelbar die Häufigkeit und Stärke der Herzschläge in ihrer unendlichen Mannichfaltigkeit ab !