20 	Populre physiologische Vortrage.

ergeben wird, wie und auf welche Weise die Regungen des Gemliths,
eben vermittelst des Nervensystems, den Herzschlag zu verndern im
Stande sind
	Indem ich diese letzte Auseinandersetzung beginne, muss ich
ihnen zunchst erklren, wie es berhaupt zu den rhythmischen Zu-
sammenziehungen und Erschlaffungen der Herzabschnitte kommt.
	Das Herz enthlt die Bedingungen seiner rhythmischen Thtig-
keit in sich selbst- denn nicht nur beim Frosche1 wie Sie selbst
vorhin sahen, - und noch jetzt an den Bewegungen der durch die
Beleuchtung im Saale verblassten mondseheibenartigen Lichtbilder des
fortarbeitenden Kardioskops wahrnehmen knnen - sondern auch bei
den hheren Wirbelthieren, ja - wie Versuche an eben Enthaupteten
lehren, sogar beim MenscWen, fahrt das aus dem Krper ganz
herausgeschnittene Herz einige Zeit fort regelmssig rhythmisch zu
schlagen.
	Die Anregung und Triebkraft zu seiner rhythmischen Thtigkeit
empfngt das Herz nmlich unmittelbar von einem b es on dem N er-
vensystem, welches im Herzen selbst eingebettet ist-und
aus zerstreuten Hufchen von mikroskopisch kleinen sogenannten
GanglienMschen oder Nervenzellen besteht, aus denen zahlreiche
Nervenfdchen entspringen, deren feinste Auslufer in die Fleisch-
oder Muskelfasern des Herzens eindringen und daselbst ihr Ende
finden. In den Ganglien- oder Nervenzellen entstehen durch die un-
unterbrochenen Ernhrungsvorgnge jene der Nervensubstanz eigen-
thmlichen Erregungszustnde, welche sich als motorische oder
Bewegungsimpulse - wie elektrische Depeschen im telegraphischen
Leitungsdraht - inn er h alb der Nervenfdeheu bis in die Hemzmus-
kelfasern hinein fortpflanzen und die letztem zur Zusammenziehung
veranlassen!
	Diese motorischen Impulse und die von ihnen veranlassten Zu-
sammenziehungen der Herzwandungen erfolgen aber deshalb rhyth-
misch unterbrochen durch Momente der Ruhe und Erschlaffung -
weil die in den Nervenzellen entstehenden Erregungszustnde auf
Widerstnde stossen und sich daher erst nach Ueberwindung dieser
Widerstnde - also rhythmisch unterbrochen - fortpflanzen und auf
die Muskelfasern bertragen knnen.
	Waren innerhalb des Herznervensystems keine Einrichtungen zur
Entstehung solcher Widerstnde vorhanden, so knnte es auch begreif-
lick keinen rhythmischen Wechsel von Zusammenziehung und Er-
schlaffung, von Systole und Diastole geben, weil die Herzwandungen
infolge des ununterbrochenen Nervenreizes fortwhrend zusammen-
