	I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe.	27

druckenden Finger so zugnglich ist, dass er mechanisch gereizt werden
kann. Ich bin daher im Stande, jeden Augenblick durch Druck mit
dem Finger auf jene Stelle der rechten Seite des Halses die Hemmungs-
nerven meines Herzens zu reizen und dasselbe fur einige Momente
zum Stillstand zu bringen.
	Fm Ihnen aber meine Herzschlge wahrnehmbar zu machen, werde
ich mir den MAREY'sehen Pulshebel oder Sphygmographen dort an
mein Handgelenk anschnallen, wo die Aerzte den Puls zu fhlen
pflegen. Jeder Herz- oder Pulsschlag hebt den aufgebundenen Hebel
- fur die Nahersitzenden deutlich sieh t b a r - in die Hhe. Damit
aber alle Anwesenden im Saale, auch die entfernt Sitzenden, gleich-
zeitig an dein Experiment theilnehmeu knnen, habe ich mit dem
MAREY'sehen Pulshebel eine elektrische Contaetvorriehtung von meiner
Erfindung in Verbindung gebracht, welche jeden Pulsschlag durch ein
elektromagnetisches Glockensignal markirt. Die Anordnung des ganzen
Apparats ist aus der Zeichnung (Fig. 9) ersichtlich.
	Ich schnalle den MARHY'sehen Sphygmographen links an mein
Handgelenk, und nun knnen Sie meine Puls- und Herzschlge sehen
und nach den Glockensignalen zhlen.
	Wenn ich jetzt am Halse drucke und die Hemmung snerven
reize, so werden Sie sofort den Herzstillstand und das Seltenerwerden
des Pulses wahrnehmen. Eins, zwei, drei - ich drucke am Halse,
vier, Herzstillstand, fnf, Pause, sechs, Pause, sieben, acht, neun
n. s. w. Die frhere Frequenz hat sich bereits wiederhergestellt.
Lassen Sie uns den Versuch nochmals wiederholen. - Derselbe Erfolg!
Jedesmal nach Application des Druckes auf jene Stelle der rechten
Seite meines Halses, wo die Vagusbahu verluft, in welcher die 
Hem-mungsnerven des Herzens vom Gehirn zum Herzen ziehen, erfolgt
sein vorderes Ende jet durch b mit H verbanden; sein hinteren Ende trgt 
eine Schraube 2 mit einem
Platinlenipfchen c. Der obere Hebel H' geht hingegen mit eiuer Spur veu 
Heibung in seinen Axenlagern
a 'und f, indem f ein federnder Metallstreifen ist, der durch die Schraube 
z s mehr oder weniger ge-
spannt und an den rheil des Hebels, sue dem die Axe a' hervortritt, 
beliebig stark und schwach ange-
druckt werden kann. Das hintere Ende des Hebels H' trgt ein 
Platinkapfchen c', welches mit c im
Contact let; das vordere Ende aber ein Kntchen ans nicht leitendem 
Elfenbein (). Verfolgt man vom
+ Pol der Batterie B ans die Leitung fr den elektrischen Strom, es fahrt 
der Draht cl' nach der mit
pins bezeichneten Metallplatte; von da durch die Axenlager in den Hebel H2, 
und weiter durch die in
Berhrung befindlichen Platinkntchen c und c' nach Hi. Das federnde 
Axenlager (.t) stellt die Vorhin-
dung mit der mit minne bezeichneten Seitenplatte des Wrfele (TV) her, yen 
wo der Draht cl ausgeht,
der etch mit dem einen Ende der Spirale des Elektromagneten e verbindet, 
whrend das andere Ende
derselben durch den Draht A an den Minne-Pol der Batterie B angeschraubt 
ist. Die Stromleitung ist
wie man sieht unter diesen Umstnden geschlossen, der Elektromagnet zieht 
den Anker a an, die Kugel
de, Feder f'ist geheben. So wie nun ein Pulsschlag erfolgt, wird der Hebel 
H geheben, zieht durch b
den vorderen Arm des Hebels H mit empor, wodurch der Contact zwischen den 
Platinkntchen c and
aufgehoben und das Glockensignal ausgelost wird. Im Verlaufe der 
fortschreitenden Hebung des Hebeln
H stsst der mitgezogene Hebel H' gegen das nicht leitende 
Elfenbeinkntchen k, wodurch der elek-
trische Strom zwar nicht geschlossen wird, wodurch aber der mit etwas 
Reibung gehende Hebel H' in
eine solche Stellung und Neigung gebracht wird, dass etch noch whrend des 
ilerabsinkene von Hund
112 der Contact zwischen c und c' und damit die Leitung fr den Strom 
wiederherstellt - um mit dem
Beginn des nchsten Pulsschlags wieder unterbrechen zu werden und ein neues 
Glockensignal auszulosen.
So also werden die Pulsschlage durch meinen Apparat einer beliebig grossen 
Versammlung aku-
stisch vernehmbar, and kann jede Aenderung ihrer Frequenz - wie bet dem 
vagnsdrnckverench
deutlich nn Gehr gebracht werden. -
