I.
Das Herz und der Einfluss des Nervensystems
auf dasselbe,


Vortrag, gehalten den 9. Januar 1867.


(Mit Tafel 1 und 8 Holzschnitten.)







Geehrte Versammlung!


	Man spricht in allen Sprachen von Menschen ohne Herz - und
meint damit Menschen ohne Gemüth; dagegen sagt man von einem
gemüthvollen Menschen, er habe Herz; - ein gutes, ein schlechtes,
ein hartes, ein weiches Herz u. s. w. ; solcher figürlichen Redensarten,
in denen das Herz eine ethische Bedeutung bekommt, gibt es un-
zählige!
	Der Gegenstand, mit welchem ich Sie heute Abend genauer be-
kannt zu machen und in ernsterer Weise zu unterhalten bemüht sein
werde, betrifft das menschliche Herz - und was mich dazu be-
stimmte, gerade diesen Gegenstand an diesem Orte zu besprechen,
ist einfach der Wunsch, Ihnen die Antwort des Physiologen zu geben
auf die naheliegende Frage Wie kommt das Herz zu jener ethischen
Bedeutung, welche ihm der Sprachgebrauch aller Völker und Zeiten
beilegt, da es seiner eigentlichen Natur nach doch nichts anderes ist,
als ein zwar höchst sinnreiches, im Grunde aber höchst prosaisches
Pumpwerk, welches das Blut in den Gefässröhren des Körpers in
kreisender Bewegung umhertreibt; - ein Pumpwerk, bestehend
aus rhythmisch sich zusammenziehenden sogenannten Fleisch- oder
Muskelfasern und versehen mit beweglichen Klappen oder Ventilen,
aus sehnigen Häutchen gewebt. -
	Wie kommt das Herz als ein grob materieller Fleischklumpen zu
einer Beziehung zu den idealsten Regungen  unsers Gemüthslebens?
Dass übrigens eine geheimnissvolle und innige materielle Bezie-
