	I. Das Herz und der Einfluss des Nervensystems auf dasselbe.	7

Sie auf einen Standpunkt zu bringen, von dem aus sieh uns ein loh-
nender Einblick in diese Seite des räthselhaften Getriebes unseres
seelisch-materiellen Doppelwesens eröffnen wird
		Beginnen wir mit der anatomi-
	schen Betrachtung der äussern Ge-
L
	stalt und des innern Baues des
	menschlichen Herzens.				P
		Die Gestalt unseres Herzens hat	---
	eine nur sehr entfernte Aehnlichkeit
	mit jener des Coeur-As der Spielkarten		v
	-wie Sie unbedenklich zugeben wer-
	den, wenn Sie einen Blick auf diese
	Tafel (vgl. Fig. 1) werfen, welche in
	kolossalem Maassstabe I) ein mensch-
	liches Herz mit seinen grossen zu- und		Fig. 1. Haibscheinatische Ansicht 
eines
menschlichen Herzens von vorn. Etwa 1s
	abführenden Gefässen von vorn ge-		natürliche Grösse.
sehen darstellt - selbst wenn Sie von V die rechte, V die links Vorkammer; K 
die
rechte, K die linke Hammer; H die untere,
117 die obere Hohlvene; 8, S der linke und
den letztem ganz abstrahiren wollen. der rechte Ast der Lungenschlagader; 
8,8'
	Es ist eine stumpf kegelförmige	rechte und linke Lungenvene A die grosse
		Körperschlagader oder Aorta mit ihrem
aus	ungemein verwickelt angeordne-	Bogen und ihren zum Kopf' und den obern
			Extremitäten gehenden Aesten.
	ten, sogenannten Muskelfasern gewebte
Fl eis eh m as s e, welche durch eine Längsfurche in eine rechte (V K)
und in eine linke (V', K') Hälfte und durch eine ringsum laufende
Querfurche in einen obern (V, V') und in einen untern (K, K') Abschnitt
- also in vier verschmolzene Thile getheilt wird.
	Im Innern schliesst das Herz eine H öh 1 e ein, welche entsprechend
der Längsfurche durch eine fleischige Scheidewand in zwei vollkommen
getrennte Hälften zerfällt, so dass wir mit Recht von einem rechten
und von einem linken Herzen reden können; - während entsprechend
der Querfurche von der Innenfläche der Wandungen jeder dieser
Herzhälften sehnige Lappen oder Zipfel entspringen, die durch Sehnen-
fäden nach unten befestigt sind, und - wenn sie sich gegeneinander
legen, je einen obern dt'innwandigen und einen untern dickwandigen
Raum abgrenzen.
	Der erstere heisst die Vorkammer oder der Vorhof, der letztere
die Kammer oder der Ventrikel, und das ganz e Herz besitzt somit
vier Räume - zwei Kammern und zwei Vorkammern.
	Sehen wir uns diesen innern Bau in unserer bildlichen Darstellung
an, nachdem wir durch einen ersten Schnitt die beiden Herzhälften


1 Vgl. die Anmerkung auf S. 8.
