12 	Populäre physiologische Vortrage.
F o r s c hung s t r i e b s? - Der brutalen Thierquälerei wird kein 
Ver-
nünftiger das Wort reden - das wissenschaftliche Experiment ist
aber keine rrhirqulerei. Und wenn wir hier auch nicht das jesui-
tische: »Der Zweck heiligt die Mittel« auf unsere Fahne schreiben
wollen, so können wir immerhin behaupten, dass der Zweck die Ver-
antwortung für das Mittel mit tragen müsse. Doch genug!
	Ich habe Ihnen ja gleich von vornherein die beruhigendsten Ver-
sicherungen über die Natur meiner Demonstration gegeben, und wenn
ich Ihnen jetzt sage, dass ich bei Beginn der Vorlesung einen Frosch
durch meinen Assistenten enthaupten und auf diese Weise in ein
besseres Jenseits befördern liess, um ihm sein fortpulsirendes Herz
herauszuschneiden, so wird diese Mittheilung Ihr Interesse und Ihre
Aufmerksamkeit für den anzustellenden Versuch hoffentlich ebenso
wenig beeinträchtigen, als der Appetit und das heitere Gleichgewicht
der Gemüthsstimmung einer Tisehgesellschaft gestört wird, welcher
man eine Schüssel gebratener Tauben vorsetzt - trotzdem dass jeder
Theilnehmer sehr gut weiss, wie vor wenigen Stunden diesen unschul-
digen, gefiederten Geschöpfen die Hälse umgedreht und die Köpfe
grausam abgerissen wurden.
	Ich kehre zu dem Herzen unseres auf dein Altar der Wissenschaft
geopferten Frosches zurück. Dasselbe hat wie gesagt, nicht aufgehört
zu pulsiren - ja es kann, gegen Trockniss und Kälte geschützt, noch
Stunden lang fortfahren rhythmisch und kräftig zu schlagen, wie wenn
es noch ungestört an seinem natürlichen Platze, im lebenden Kör-
per sässe.
	Es eignet sich somit vortrefflich zur Demonstration des Rhyth-
mus der Herzbewegung. Bei der Grösse dieser Versammlung würde
der Versuch jedoch vergeblich sein, das winzige Object den einzelnen
Theilnehmern herumzuzeigen. Um dennoch zum Ziele zu kommen
und Sie alle zu Augenzeugen der rhythmischen Thätigkeit des Herzens
zu machen, werde ich eine kleine optische Vorrichtung benutzen,
welche ich vor einigen Jahren für solche Gelegenheiten ersonnen und
Kardioskop, d. h. Herz- oder Pulsspiegel genannt habe (vgl.
Fig. 5).
	Der Pulsspiegel ist ein kleines, leichtes Spiegelchen von Glas oder
Metall, welches durch den leisesten Anstoss um eine horizontale Axe
hebelartig auf- und abbe%vegt werden kann und mit dem pulsirenden
Körper so in Berührung zu bringen ist, dass sich die Pulsationen des
letztem auf dasselbe übertragen. Indem nun die Spiegelfläche mit
grellem Lichte beleuchtet wird, entsteht durch Reflexion auf einer
gegenüber liegenden Wand ein weithin sichtbares Lichtbild, welches
