300 	Das Stereophoroskop.


	a) Bei der Anwendung krperlicher Gegenstnde gengt die ge-
whnliche Einrichtung des Phorolyts zur Darstellung der Bewegungen
in der dritten Dimension des Raumes; denn um die Illusion einer
Bewegung hervorzurufen, welche senkrecht zur Gesichtsflche des
Beobachters stattfindet, habe ich mich ganz einfach einer Anzahl
Stecknadeln von gleicher Form und Grsse bedient. Ich stach nm-
lich jeder Spalte der Durchsichtsscheibe gegenber je eine Nadel
senkrecht in die Pappscheibe, welche sonst die Bilder zu tragen pflegt,
ein, und ordnete dieselben so, dass die erste Nadel nur mit dem
Knopfe, die anderen aber in stetiger Reihe immer lnger und lnger
hervorstanden und die letzte Nadel nur noch mit der Spitze so weit
als zu ihrer. Befestigung erforderlich schien in der Pappscheibe stak.
	Betrachtete man nun die in angegebener Weise mit Nadeln be-
steckte Scheibe, whrend dieselbe mssig rasch um ihre Axe gedreht
wurde, in gewohnter Art durch die Durchsichtsscheibe hindurch, so
schien es, als ob jede Nadel durch eine unsichtbare Hand in senk-
rechter Richtung zur Antlitzflche des Beobachters vor- und zurck-
geschoben wrde, wobei das Knopfende der Nadel gewhnlich ill ein
mehr oder weniger tief gespaltenes Doppelbild zerfuhr. Der ganze
Effect - obschon erwartet und vorausgesehen - berraschte doch,
denn die Illusion war vollstndig, und kaum von Wirklichkeit zu
unterscheiden - es sei denn durch die Geruschlosigkeit und Gleich-
mssigkeit der. Bewegungen.. Die Flle der mglichen Modificationen
und Verschnerungen dieses Grundversuches - durch welchen jeder--
mann sein gewhnliches Phorolyt auf die einfachste Weise in ein
Stereophorolyt verwandeln kann. - ist geradezu unendlich.
	b) Die Einrichtung eines Stereophorolyts, bei welchem stereo-
skopische Doppelbilder in Anwendung kommen sollen, wird offenbar
je nach der Art des Stereoskops, das man mit dem Phorolyt combi-
niren will, verschieden ausfallen mssen. Mir schien es am einfach-
sten, das bekannte Linsen-Stereoskop zu dem fraglichen Zwecke zu
whlen, fr welches beide Bilder auf einen und denselben Puppe-
streifen neben einander geklebt werden. Diese Pappestreifen, von
denen jeder je zwei correspondirende Bilder trgt, befestige ich in
gehriger Reihenfolge an die Seitenflchen eines mehrseitigen,
um
eine horizontale Axe drehbaren Prisma's (vgl. Fig. 26, P). Zur Voll-
endung des Apparates ist nur noch ein der Durchsichtsscheibe des
gewhnlichen Phorolyts analoger Theil erforderlich. Er besteht bei
meiner Vorrichtung in einem aus viereckigen Pappendeckelstcken
zusammengesetzten Grtel (G). Jeder Seite des die Bilder tragenden
Prisma's ist in der Entfernung von einigen Zollen je ein Pappendeckel-
