﻿175
Heidecke, Haus Wesendonck in Berlin.
176
des Dachgeschosses an der Südseite des Mittelbaues vorgenom-men. Das Pflanzenzimmer hat eine kleine, durch eisernen Ofen hergestellte und an die Wasserleitung angeschlossene Warm-wasserröhrenheizung,' die auch das Warmbeet versorgt. Eeich-liche Beleuchtung ist durch die in die Dachfläche gelegten seitlichen Oberlichtfenster erzielt. In den Bäumen des östlichen Giebels findet ein Kranker, der auf Stoffwechsel beobachtet wird, Unterkunft. Sofern ein solcher nicht vorhanden ist, werden die Bäume als Zeichenzimmer benutzt, der Vorraum daselbst dient zur Aufstellung eines gTofsen Athmungsapparates.
Dem Institutdgebäude ist westlich als gesonderter Gebäude-theil die Dienstwohnung des Directors angefügt worden. Die Wohnung des Assistenten hat keinen besonderen Eingang erhalten, sie liegt im Dachgeschofs des Institutsgebäudes, besteht aus Wohn- und Schlafzimmer und ist über die Haupttreppe und die gegen das Dachgeschofs feuersicher abgeschlossene Nebentreppe zugänglich. Dagegen besitzt die Wohnung des Dieners einen eigenen Zugang. Sie liegt im Kellergeschofs im östlichen Ausbau und besteht aus einer großen Wohnstube, zwei kleineren Stuben und Küche. An Nebenräumen befinden sich im Keller noch der Macerationsraum mit Vorrichtung zur Wässerung gröberer Organe; Secirtisch und Diffusionsapparat und der Arbeitsraum, zumeist zur Verfügung des Mechanikers
für Vernickelungen usw., sodann aber auch zur Aufstellung des Bombenkastens • für Glühversuche in zugeschmolzenen Böhren dienend. Beantragt sind vom Instituts-Director noch Bäume für eine .Gipsgießerei, eine Tischlerei und einen Taubenschlag, die im Dachgeschofs einzurichten sein würden. Aborte mit guter Beleuchtung und besonderer Lüftung sind für die Studirenden im Keller, für den Assistenten und die in den Bäumen des Dachgeschosses sich aufhaltenden Personen dort, senkrecht über jenen, angelegt, das Abfallrohr dient zugleich zur Entlüftung der beiden im Keller aufgestellten Heidelberger Tonnen. Für die Heizung dient ein Kaum neben der Dienerwohnung als Luftheizkammer und ein Baum neben der mechanischen Werkstatt zur Aufstellung der Niederdruck-Dampfkessel. Bei dem Kesselraum ist ein Gelaß für Brennmaterial unter der Freitreppe gewonnen, der neben diesem angeordnete Schacht dient zur Ausbringung der Kessel im Falle gröfserer Ausbesserungen, für gewöhnlich aber zur Einbringung von Brennmaterial.
Die Architektur ist in den einfachen Formen früherer Gothik gehalten, die der Ort nahelegt (Blatt 19). Als Material hat der vorzüglich wetterbeständige, helle Sandstein Verwendung gefunden, der sich beim Bau der Elisabethkirche aufs beste bewährt hat und in den Brüchen gegenüber der letzteren lagert.	(SohluTs folgt)
Haus Wesendonck in Berlin.
(Mit Zeichnungen auf Blatt 24 und 25 im Atlas.)
Bei Anlage der vornehmen Häuserviertel, die im letzten Jahrzehnt im Westen Berlins zwischen dem Königsplatze und den Zelten entstanden sind, ist das zwischen der Strafse In den Zelten und der Grofsen Quer-Allee nach dem Königsplatze zu belegene Eckgrundstück merkwürdig lange unbebaut geblieben. Wahrscheinlich hat der abgestumpfte spitze Winkel, unter dem sich beide Strafsen schneiden, manchen Käufer abgeschreckt, und auch das Gefühl, etwas verborgen hinter Kroll zu sitzen, mag diesen und jenen zurückgehalten haben, sich hier sein Heimwesen zu gründen oder ein vermiethbares Haus zu erbauen. Der letztere Grund ist Sache des Geschmackes und schwer mit Für oder Wider zu belegen; der Besitzer des Hauses, welches jetzt die Ecke einnimmt und auf Blatt 24 und 25 abgebildet ist, wird seinen Entschluß nicht bereuen, sich auf diesem vornehm zurückgezogenen und doch unmittelbar am grofsen Verkehre der Weltstadt belegenen Platze angekauft und hier in nächster Nähe des Sauerstoffbehälters Berlins, des Kühlung und Erholung spendenden Thiergartens, gebaut zu haben. Mehr leuchtet der erstangeführte Grund ein. Die Form des Eckgrundstückes konnte der Grundrißbildung nicht günstig sein und wird insbesondere bei der Behandlung der stumpfen Ecke und für die Lichtzufuhr nach den inneren Gebäudetheilen nicht unerhebliche Schwierigkeiten ergeben haben. Wie diese überwunden worden sind, lassen die Abbildungen erkennen. Den Versuch einer akademischen Lösung, die sich an den Ecken, insbesondere an der stumpfen, abgemüht haben würde, vielleicht ohne zu einem praktisch brauchbaren Ergebnisse zu kommen, bat der erfahrene Baumeister von der Hand gewiesen. Sein Hauptbestreben war, die Bäume zweckmäßig und den Wünschen
■des Bauherrn entsprechend zusammenzuordnen, und so entstand auf der stumpfen Ecke im oberen Hauptgeschosse die fast vollständige, im unteren Hauptgeschosse die gänzliche Trennung der beiderseitigen Baumgruppen. Die Trennung unten, durch den Anrichteraum, befremdet beim ersten Einblick. Sie wird aber von' den Bewohnern aufs angenehmste empfundon, indem durch sie alle Speisegerüche 1 aus den Gesellschaftsräumen ferngehalten werden, und dem Gaste kommt sie kaum zum Bewußtsein, weil die Verbindung der sich ihm öffnenden Gemächer durch den Vorraum so gut und zwanglos bewirkt wird, daß er diesen in seiner behaglichen Ausstattung voll mit zu den Bäumen, in denen .er empfangen wird, rechnet. Geschickt zurückgehalten münden auf diesen Vorraum, dessen Oberlichtbeleuchtung am Tage freilich zu wünschen übrig läßt, die Nebenräume für den Dienst und eine sich über den Eingang von der äußeren Vorhalle her hinwegschwingende kreisrunde Treppe nach oben, die nur den Verkehr nach Schlaf- und Fremdenzimmern vermittelt. Abweichend von der sonst zumeist üblichen Anordnung liegt das Herrenzimmer ziemlich abseits vom Eingänge. Aber auch das hat semen guten Grund, denn an das „Allerheiligste“ des Hausherrn schliefst sich sein engeres Beich, seine umfangreiche Gemäldesammlung an. Diese nimmt einen besonderen Gebäudetheil an der Grofsen Quer-Allee ein und besteht im unteren Geschosse aus fünf seitlich beleuchteten Cabinetten, im Obergeschoß aus drei größeren Oberlichtsälen. Eine in diesem Gebäudetheile liegende stattliche Treppe verknüpft beide Baumgruppen zu einer einheitlichen Sammlung und bildet die bevorzugtere Verbindung nach oben.