	Ueber die Hautnerven des Frosches.	13

	Was die Eigenschaften eines feinfhlenden Organs betrifft, so ist
zunchst zu erwgen, dass sich die Feinheit oder Schrfe des Gefhls
nur auf die rumliche Trennung und Sonderung gleichzeitiger Reize
in der Empfindung beziehe.
	Auf die physikalische Qualitt und den Bau des Organs kommt
somit gar nichts an, sobald nur Raum und Gelegenheit fur die Ver-
breitung der Nerven da ist; Alles hingegen hngt von der relativen
Menge der Primitiv-fibrillen ab. Je mehr derselben auf einer als Maass
angenommenen Flcheneinheit vorhanden, welche gesonderte Ein-
drcke hervorzubringen im Stande sind, desto feinfhlender nennen
wir ein solches Organ. Es verhlt sich hiemit gerade so, wie mit der
Schrfe des Gesichts; - das vollkommenste Tastwerkzeug wird dem-
nach jenes sein, das die grsstmgliche relative und absolute Menge
von Primitivfibrillen und ein zur Aufnahme und Fortleitung des Reizes
geschicktes Grundgewebe besitzt; die erste Eigenschaft deshalb, um
feinfhlend und empfindlich, die zweite, um nicht nur an und fur
sich empfindlich zu sein, sondern auch, um als Tastwerkzeug sieh den
Eindrcken der Aussenwelt hinzugeben, um dieselben -activ auf-
zunehmen. (Ich erinnere hier nur an die Zunge, welche, obschon
beraus feinfhlend und empfindlich, dennoch als Tastwerkzeug hinter
den Fingerspitzen zurcksteht, weil derselben nebst Anderem nament-
lich der feste Knochenkern mangelt).
	Wir wollen uns nur noch aus den bekannten Eigenschaften der
Organe einige wenige Schlsse auf die Struetur, namentlich auf die
wahrscheinliche Menge Nerventheilungen erlauben.
	In der Retina drfen wir kaum, in der Zunge, den Lippen, den
Fingerspitzen Theilungen wenigstens von keiner grossen Ausdehnung
vermuthen. Zahlreich und von bedeutender Verbreitung drften die
Nerventheilungen in der Haut des Rckens, des Nackens, der Weichen
u. s. w. sein.
	Doch genug, ich habe schon allzulange den festen Boden sicherer
Erfahrung unter den Fssen verloren! Zu meiner Entschuldigung sei
nur angefhrt, dass derartige Betrachtungen, welche die Bedeutung
und den Einfluss einer gemachten Beobachtung nachzuweisen bemht
sind und aus dem Bestreben entspringen, vereinzelte, an und fr sich
nicht vielsagende, empirische Thatsachen in ihrer lebendigen Be-
ziehung zur bestehenden Gestaltung der Wissenschaft darzustellen,
vielleicht niemals ganz werthlos sind.
	Ich kehre nach dieser Unterbrechung zur Nerventheilung in der
Haut des Frosches zurck. An den Theilungsstellen sind die Nerven
fast immer mehr oder weniger eingeschnrt; doch bin ich der T5eber-
