	Ueber die Hautnerven des Frosches.	11

	Wenn, wie allgemein angenommen wird, die sensitiven Nerven
sich wie Leiter verhalten, bestimmt, den Reiz von der Peripherie nach
dem Centrum zu tragen, und wenn das Sensorium die durch den Reiz
erzeugte Empfindung in der entgegengesetzten Richtung an das Ende
des einfachen und ungetheilten Leiters, somit an einen Punkt der
Peripherie versetzt: so muss, angenommen, der Leiter verstete sich
(wie dies die sensitiven Nerven wirklich thun), nach erfolgtem Reiz
die Empfindung nach den Enden smmtlicher Aestchen des Leiters,
d. h. in eine Flche verlegt werden. 		-
	Whrend die Empfindung im ersten Falle bestimmter, begrenzter
ist, wird sie im zweiten Falle vager.
Ebenso muss das Sensorium, mag das peripherische Aestehen A
des verzweigten Leiters oder das rumlich davon entfernte Aestchen B
gereizt werden, mit einer und derselben Empfindung antworten, und
wenn beide Enden A und B zu gleicher Zeit durch zwei rumlich
getrennte Krper gereizt werden, Einen und nicht zwei rumlich
verschiedene Eindrcke percipiren.
	Denken wir mehrere solcher verstelter Leiter dergestalt an der
Peripherie angeordnet, dass sich die von ihren Aesten beherrschten
Flchen interferiren, d. h. theilweise decken, wie eine Reihe von
Kreisen, deren Peripherien durch die Mittelpunkte der Nachbaren
gehen: so mssen wir annehmen, dass die gereizten InterferenzfiiLchen,
obschon sie von zwei verschiedenen und selbstndigen Leitern versorgt
werden, dennoch nur eine rumlich-einheitliche Empfindung
zu erregen im Stande sind, weil das Sensorium auf einen durch den
Leiter A zugefhrten Reiz die Empfindung doch nur dorthin verlegen
kann, wo sich der Leiter A verbreitet.
	Wenden wir nun diese Betrachtungen auf die Hauptnerven des
Frosches an, welche in der That solche verstelte centripetale Leiter
und in hnlicher Weise, wie eben vorausgesetzt wurde, in der Haut
vertheilt sind: so drfen wir glauben, dass in der Haut, sie mag wo
immer durch eine Nadelspitze einen Reiz empfangen, eine einfache
rumlich mehr oder weniger bestimmte Empfindung entstehen werde;
dass aber die Eindr'cke zweier Nadelspitzen nur dann doppelt, cl. i.
rumlich gesondert vom Frosche empfunden werden knnen, wenn sie
so weit von einander entfernt applicirt werden, dass sie Hautstellen
treffen, welche von Nerven versorgt sind, deren peripherische. Ver-
stelungen einander nicht interferiren oder thei1weie decken, dagegen
Immer in dem Maasse zu Einer Empfindung verschmelzen mssen,
als die Nadelspitzen, einander nher gerckt, Hautstellen zu gleicher
Zeit berhren an welchen sich mehrere Nerven verbreiten, - Haut-
