12 	Ueber die Hautnerven des Frosches.

stellen somit, die den Interferenzfichen des obigen Schema ent-
sprechen.
	Dies Alles auf den Menschen angewendet, gbe vielleicht eine
Erklrung der bekannten WEBER'schen Versuche.
	Spinnen wir den aufgenommenen Faden weiter fort, so knnen
wir uns leicht eine Vorstellung der Feinheit oder Schrfe des Gefhls
und der Empfindlichkeit des Hautorgans machen. Schrfe des Gefhls
und Empfindlichkeit sind zwei sehr verschiedene Dinge, die wohl zu
trennen sind. Die Schrfe des Gefhls wird durch die WEBEE'schen
Versuche geprft; die Empfindlichkeit aber dadurch, dass der Grad
eines applicirten Reizes mit der Strke der erzeugten Empfindung
verglichen wird. Die Haut am Rucken,-in den Weichen, ist empfindlich,
aber aller Feinheit des Gefhles baar; die Haut an der Streckseite des
Ellbogengelenks ist weder feinfhlend, noch bedeutend empfindlich;
der rothe Theil der Lippen hingegen im hohen Grade, sowohl feinfhlend
als empfindlich.
	Die aufgezhlten Beispiele werden hinreichen, das klar zu machen,
was unter den beiden Bezeichnungen verstanden werden soll.
	Wollen wir nun eine Erklrung, eine Aufzhlung der Bedingungen
dieser beiden Eigenschaften der sensitiven Organe versuchen, so haben
wir zweierlei zu bercksichtigen: erstlich die Beschaffenheit des Organs,
sodann die Art der Nervenvertheilung.
	Die Empfindlichkeit einer Hautstelle hngt ab: erstens von der
Feinheit und Zartheit der Haut oder wenigstens der die Nerven decken-
den Schicht; zweitens von der absoluten Menge der Nerven, einerlei,
ob dieselbe von der grossen Zahl der einzelnen Primitivfibrillen, oder
von der oft wiederholten Theilung und Spaltung weniger Fibrillen
herrhrt; - denn um eine heftige Reaction der sensiblen Sphre auf
einen verhltnissmssig geringen Reiz hervorzubringen, darf 1) (lie
Wirksamkeit des letzteren nicht durch den Dazwischentritt fremder
unempfindlicher Theile allzusehr geschwcht und gebrochen werden
und - 2) kommt alles darauf an, eine mglichst grosse Menge der
peripherischen Nervensubstanz zu alteriren, wenn ein energischer
Eingriff in den Organismus mit geringen Mitteln stattfinden soll.-
	Ware uns demnach die Aufgabe gestellt, ein mglichst empfind-
liches sensitives Organ zu construiren, so mUssten wir nach diesen
Principien ein zartes, gut leitendes Grundgewebe mit einer absolut
grssten Menge von Nerven durchdringen lassen, und zwar das letztere
aus demselben Grunde, aus welchem die Membrana Schneiden die
weit hervorspringenden Nasenmuscheln berkleidet und die innerste
-Darmhaut zahlreiche Falten bildet.
