	Verästelungen der Primitivfasern de's Nervus acusticus.	33

mischen wie mechanischen Veränderung nicht zu hindern, so dass
dieselbe theils gänzlich von den Axencylindern abfällt, theils in röhren-
förmigen Bruchstucken sitzen bleibt (Fig. 1).
	Ich versprach mir daher von der Behandlung mit Sublimat wenig-
stens den guten Erfolg, ein sicheres Resultat über das Verhalten des
Axeneylinders a den Theilungsstellen der Nervenfasern zu erhalten
und damit zugleich die Theilung der Primitivfibrillen des Acusticus
ausser allen Zweifel zu setzen; obschon ich wegen der vermuthlichen
Trübung der Membran des Labyrinths, welche, wie ich später sah,
auch durch Essigsäure nicht gehoben werden konnte, im Voraus auf.die
•Ermittelung der eigentlichen Endigungsweise der Nerven verzichten
musste.
	Meine Vermuthung wurde gerechtfertigt; die Axencylinder waren
in allen Nervenfasern zu sehen und zu elastischen Fäden erhärtet,
theils frei und nackt, theils durch die deckende Markscheide durch-
schimmernd.
Der Durchmesser der Axencylinder war verschieden, häufig 2/s25";
ihre Gestalt entweder cylindrisch oder, und zwar in den meisten Fällen
platt gedruckt, bandartig; ihre Contouren waren mehr oder weniger
scharf und dunkel, geradlinig oder variciis (Fig. 7); ihre Substanz
meist fein granulirt, blass bräunlich gelb gefärbt, aber durchsichtig.
	Unter den isolirten Nervenfibrillen der zerfaserten Ausbreitung des
Acusticus aus allen Regionen fand ich denn auch viele, welche sieh
dichotomisch tliejlten. Die Markscheide umhüllte entweder noch den
Axencylinder der Aeste und der Stammfibrille, oder sie war völlig ab-
gestreift und die Axencylinder nackt.
	Im letzteren Falle sah ich die Theilung der Axencylinder selbst
mit grösster Deutlichkeit (Fig. 4); bemerkte jedoch an den Theilungs-
stellen derselben durchaus nichts von jenen Einschulirungen, welche
an den mit der Markscheide umgebenen Nervenfasern zu erkennen
waren.
	Dass sich die Axencylinder bei den Theilungen der Nervenfibrillen
ebenfalls in eine entsprechende Anzahl von Aesten spalten müssten,
liess sich wohl voraussehen, doch durfte dieser empirische Nachweis
nicht unwillkommen sein. Was die Abwesenheit einer Einschnürung

Beleg des Gesagten nicht unerwähnt lassen. Druckte ich mit einem stumpfen
Messer in der Richtung, wie wenn ein Querschnitt gemacht werden sollte, fest 
an
ein Ende des Rückenmarkstückes auf und riss mit den Fingern vorsichtig den
Übrigen freien Thou ab, so zogen sich die durch das Messer einerseits 
festgehal-
tenen Axencylinder in einer Lunge von mehr als einer Linie aus dem entfernten
Marke heraus.
Ozermak, Schriften.
