34	Verästelungen der Primitivfasern des Nervus acusticus. 	-

an den Theilungsstellen der Axencylinder betrifft, so bestätigt sie die
an einem andern Orte Ueber die Hautnerven des Frosches«.
MÜLLER'S Arch. 1849" von mir ausgesprochene Ansicht, dass jene
Verengerungen, welche an allen sich theilenden Nervenfasern zu be-
obachten sind, und welche mit dem Fortschreiten der Zersetzung des
Nervenmarks immer tiefer werden, ja, besonders an den feinen Fasern
sich bis zur völligen Trennung der Stammfibrille von den Aesten
steigern können, bbs eine Folge der Veränderungen des Nervenmarks
seien; indem im vorliegenden Falle das Sublirnat der weiteren Alte-
ration des Axencylinders Grenzen gesetzt und denselben in seiner
natürlichen Gestalt erhalten hat. Ob diese Beobachtungen die Existenz
des Axencylinders als eines auch im Leben für sich bestehenden Ge-
bildes nicht mindestens wahrscheinlich machen, lasse ich dahin
gestellt sein.
	Noch will ich anführen, dass durch die Hartung der Nerven in
Sublimat die äussere Scheide derselben sehr oft deutlich zur Auschau-
ung kam, wenn die krümliche Masse der Markscheide entweder zer-
rissen (Fig. 2 B), oder am Ende einer Fibrille herausgebröckelt war
(Fig. 2C).
	Die Zusammensetzung der dicken oder sogenannten cerebrospinalen
Nervenfasern aus ein äusseren Scheide, der Markscheide und dem
Axencylinder, die schon PURKINE richtig erkannt hatte, wird durch
das Sublimat ausser allen Zweifel gesetzt. Ob die Fasern des Gehirns
und Rückenmarks ebenfalls eine äussere Scheide besitzen, will ich
unentschieden lassen, der Axencylinder und die Markscheide kann
jedoch an vielen derselben durch die Behandlung mit Sublimat voll-
kommen deutlich gemacht werden.
	Zum Schlusse noch die Frage: ob die von mir beobachteten Thei-
lungen der Fibrillen in dem Acusticus des Störs nicht mit grosser Wahr-
scheinlichkeit vermuthen lassen, dass der Hörnerv auch der anderen
Wirbelthiere ein gleiches Verhalten seiner Primitivfasern zeigen werde?
	Gewiss ist jedenfalls, dass die Verzweigung der Primitivfasern der
Function des ZVervus acusticus durchaus nicht widerspricht; ungewiss
freilich, in welcher Weise die Eigenschaften des Gehörsinus hierdurch
modificirt werden.

Breslau, den 16. Juli 1849,
