﻿Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne. <33
Kanälchen, welche ich noch nicht im Cement gesehen habe. Man findet zwar dann und wann ansehnlich dicke Kanäle im Cement ; allein dieselben schienen mir immer einen andern Charakter zu haben, als wahre Knochenkanälchen. Ich besitze ein Präparat von einem sehr alten Zahne, in dessen Cement sich eine bedeutend grosse Menge verzweigter , dicker und varicöser Kanäle befinden, welche, mannigfach gebogen, in verschiedener Richtung das Cement durchziehen, aber durchaus nicht wie Haversianische Kanälchen ausseh en. Auch in der Sammlung des Breslauer physiologischen Instituts sali ich ein Präparat, in welchem das Cement von zahlreichen dicken Kanälchen durchbohrt war, die von aussen nach innen zogen und mit ihren blinden Enden mitunter bis in die Zahnsubstanz hineinreichten. Sie waren theil weise mit Luft gefüllt, einige von ihnen am Ende gabelförmig getlieilt. Sie standen theils in Gruppen bei einander, welche aus einer gemeinschaftlichen Vertiefung der äussern Oberfläche des Cements entsprangen, theils verliefen sie isolirt. Auch diese Kanälchen erinnerten nicht an die im Knochen vorkommenden verzweigten Röhren, welche unter dem Kamen der Haversianischcn Kanälchen bekannt sind.
Die Knochenkörperchen des Cements stimmen im Allgemeinen mit jenen der Knochen überein ; nur sind ihre Ausläufer meist zahlreicher, feiner, und von wirrem Verlauf, so dass man beide Sorten von Knochenkörperchen gewöhnlich auf den ersten Blick aus einander kennen kann. Die Entstehung der Knochenkörperchen aus Zellen ist sehr schön an jenen Stellen der schmelzfaltigen Thierzähne zu erkennen, wo Cement und Schmelz zusammenstossen. Die Knochenzellen liegen oft ganz isolirt in der letztem Substanz und zeigen die Verdickung ihrer Wandungen sehr deutlich. Ich habe Fig. 7 eine Abbildung davon gegeben.
Nebst den Knochenkörperchen kommen noch dünne Kanälchen vor, welche manchmal wie Sprünge aussehen und nicht selten sehr zahlreich, verzweigt und von gekrümmtem Verlaufe sind : ihre Richtung ist quer durch das Cement hindurch vergl. Fig. 5).
Diese verschiedenen Hohlräume des Cements stehen häufig unter einander in Verbindung; doch kann man sich leicht überzeugen, dass im Cement kein zusammenhängendes Röhrensystem'besteht; ja man findet an vielen Präparaten lange Strecken weit oder überhaupt gar keine Spur irgend eines dieser Hohlräume, und das Cement erscheint homogen.
Die Grundsubstanz des Cements hat sehr häufig das Ansehen einer lamellösen Zusammensetzung, wie jene der Knochensubstanz ; doch ist dieselbe nicht immer so deutlich und regelmässig, wie im Knochen.