Beitrge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zhne. 49

	Was die ersteren betrifft, so muss ich von vorn herein gestehen,
dass ich mich von der Existenz eines ausgebildeten, vollstndigen
Rhrensystems im Schmelze, welches, wie die Tubuli der Zahnsubstanz,
zur Leitung der Ernhrungsflssigkeit bestimmt wre, durchaus nicht
berzeugen konnte. Alles, was man von Hohlrumen bisher unter
verschiedenen Namen beschrieben hat, und was, ich selbst gesehen
habe, trgt theils den Charakter des Zuflligen, Unwesentlichen, theils
den Charakter von Kunstproducten. Im normalen, vllig gesunden
Schmelz liegen die Prismen dicht aneinander und lassen keine Zwischen-
rume zwischen sich. Nichtsdestoweniger findet man sehr hufig im
Schmelze Hohlrume von der mannigfachsten Form, Grsse, Lage und
Richtung. Die Schmelzrume sehen bald den feinsten Verstelungen
der Zahucanlchen, mit denen sie auch oft zusammenhngen, vollkom-
men hnlich, bald haben sie einen grsseren Durchmesser und eine
unregelmssige Gestalt, doch waltet die Lngendimension gewhnlich
vor; theils sind sie einfach, theils verstelt. Sie gehen ferner entweder
mit der Richtung der Schmelzprismen parallel, oder sie durchbrechen
die Prismen schrg. Man stsst in allen Regionen des Schmelzes auf
diese Hohlrume, welche oft in bedeutender Anzahl, in ganzen Bscheln
oder Reihen vorhanden sind; doch whlen namentlich die grsseren
unter ihnen mit Vorliebe die der Zahnsubstanz zunchst gelegenen
Schichten. Gegen die Zahnsubstanz spitzen sie sich dann gewhnlich
rasch oder nach und nach zu, whrend ihr breiteres Ende mehr oder
weniger weit in die oberflchlichen Schichten des Schmelzes hineinragt,
.und gehen mit ihrem zugespitzten Ende hufig in ein Aestchen eines
Zahnrhrchens, von dem sie wie von einem Stiele getragen werden,
unmittelbar ber. Die meisten Schmelzrume stehen weder unter ein-
ander, noch mit den Zahncanlchen in Verbindung.
	Diese verschiedenen Hohlrume sind entweder schon whrend der
ersten Ablagerung des Schmelzes gebildet worden, oder aber erst spter
auf zufllige Weise durch verschiedene Ursachen entstanden.
	Zunchst sind hier aus der zweiten Kategorie Sprnge und Risse
zu erwhnen, welche entschieden in Folge von mechanischen Einflssen,
mitunter whrend des Sgens und Schleifens der Zhne auftreten. Sie
sind von verschiedener Gestalt und Ausdehnung, gehen oft mit der
Faserung des Schmelzes parallel und erstrecken sich meist durch die
ganze Dicke des Schliffes hindurch, whrend die Schmelzrume anderen
Ursprungs gewhnlich mitten in der Substanz liegen. Dies ist jedoch
kein durchgreifender Unterschied, und es hlt berhaupt schwer, ein
untrgliches Kriterium, ein sicheres Merkmal anzugeben, nach welchem
man in speciellen Fllen ohne Gefahr einer Tuschung ber die Bedeu-
	Czermak, Schriften.	4
