50 	Beitrge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zhne.

tang solcher Gebilde urtheilen knnte. Man wird hufig keine gen-
gende Rechenschaft von den Grnden geben knnen, die den Beobachter
bestimmen, in dem einen Falle Etwas fr ein Kunstproduct zu halten,
und in dem anderen Falle fr einen Bildungsfehler oder ein patholo-
gisches Product zu erklren. Trotzdem drfte es doch nicht immer
unmglich sein, eine bestimmte Meinung auszusprechen.
	IJeber das Verhalten der Schmelzsubstanz gegen auffallendes und
durchgehendes Licht ist im Allgemeinen zu bemerken, dass nicht nur
die verschiedenen Zhne darin bedeutend von einander abweichen,
indem dasselbe bald rein weisaist, bald hingegen einen Stich in's Gelbe
oder Blaue hat, theils stark durchscheinend, theils mehr opak gefunden
wird, sondern dass auch der Schmelzberzug desselben Zahnes an ver-
schiedenen Punkten und in verschiedenen Schichten in dieser Hinsicht
eine ungleichmssige Beschaffenheit zeigt. Nicht selten findet man
zwar Zhne, deren Schmelz ganz gleichmssig gefrbt ist; allein an
vielen Lngs- und Querschliffen fallen bei passender Beleuchtung
hellere und dunklere Flecken und Streifen auf, welche anderer Natur
sind, als die oben beschriebenen von dem Verlaufe der Prismen abhn-
genden. Bei oberer Beleuchtung sieht man die opakeren Stellen weiss,
die durchsichtigen dunkel, weil die ersteren das Licht refiectiren, die
letzteren aber durchlassen. Bei durchfallendem Lichte entsprechen den
ersteren mehr oder weiger intensiv gelbliche, gelblichbraune, braune
bis schwarzbraune Frbungen; die letzteren erscheinen ganz klar und
durchsichtig.
	Die hellen und dunklen Flecken, welche auf Quer- und Lngs-
schliffen vorkommen, bedeuten natrlich nichts Anderes, als dass der
Schmelz in grsserer oder geringerer Ausdehnung ein verschiedenes
Verhalten gegen das Licht habe; die hellen und dunklen Streifen, die
oft sehr regelmssig angeordnet sind, sind hingegen der Ausdruck einer
schichtenweisen Frbung des Schmelzes. Auf Lngsschliffen ziehen
these Streifen, welche meist von verschiedener Breite und nicht immer
gleich weit von einander abstehen, sehr steil von unten und innen
nach aussen und oben; sie kreuzen sich wegen ihrer mehr aufrechten
Stellung mit jenen Streifen, welche den Schichten der quer und lngs
durchschnittenen Prismen entsprechen. Auf Querschliffen sind die
Streifen je nach der Gestalt der Zahnkrone kreisfrmig oder in Form
einer andern krummen-Linie gebogen, und laufen entweder in sich
selbst zurck und bilden keine geschlossene Linie, indem die Frbung
pltzlich oder nach und nach an bestimmten Punkten aufhrt; sie gehen
einander nahezu berall parallel, sind aber fast immer excentrisch
gelagert, so dass die am meisten peripherisch gelegenen Streifen von
