52 	Beitrge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zhne.

	Die Zahnsubstanz, welche bekanntlich the grsste Masse der Zhne
ausmacht, bedingt, wie man sagt, durch ihre Form die Gestalt des
ganzen Zahns. Dies ist im Allgemeinen richtig, obschon man dabei
nicht vetgessen darf, dass die Zahnsubstanz nirgends frei zu Tage liegt,
sondern an der Spitze vom Schmelze, welcher nach unten an Mchtig-
keit 'abnimmt, an dem brigen frei gelassenen Theile vom Cement,
welches nach unten an Mchtigkeit zunimmt, berzogen wird. Die
ussere Begrenzung des Zahnes hngt daher auch von den Umrissen
des Schmelzes und Cementes ab, da deren ussere Oberflchen nicht
mit jener der Zahnsubstanz parallel gehen. Denken wir uns sowohl
den Schmelz- als den Cementberzug hinweg, so wurde der nun bbs
aus der Zahnsubstanz bestehende Zahn eine andere Form erhalten, als
er ursprnglich hatte. In der Zahnsubstanz befindet sich eine Hhle
zur Aufnahme der Pulpa - the Keimhhle, welche an der Wurzel,
oder wenn mehrere Wurzeln vorhanden sind, an jeder derselben mit
einem oder mehreren Lochelchen ausmndet. Die Wnde der Keim-
hhle sind bis auf den untersten Theil in der Wurzel you der Zahn-
substanz gebildet, an der genannten Stelle aber vom Cement. Man
kann demnach eine innere der Pulpa zugewendete und eine ussere
vom Schmelz und Cement berzogene Oberflche der Zahnsubstanz
unterscheiden.
	Histologisch betrachtet, besteht die Zahnsubstanz aus einer festen,
farb- und strueturlosen Grundsubstanz und aus einer beraus grossen
Anzahl von feinen verstelten Kanlehen, welche in der Grundsubstanz
eingebettet sind. Ich habe the Grundsubstanz strueturlos genannt, weil
dieselbe im ausgebildeten Zustande in der That sowohl an Lngs- als
an Querschliffen strueturlos erscheint und nur knstlich durch beson-
dere Prparation in scheinbar eigenthmliehe Elemente zerlegbar ist;
damit soll zwar durchaus nicht gesagt sein, dass the Grundsubstanz
nicht durch Verschmelzung gesonderter Elementartheile entstehe und
niemals Spuren ihres Bilduugsprocesses an sieh trage, das aber wollte
ich allerdings aussprechen, dass ich nicht im Stande war, irgend eine
Struetur in der vllig entwickelten Grundsubstanz nachzuweisen. Die
Fasern, aus welchen man den Zahnknorpel bestehend beschrieb, halte
ich fur Kunstproduete und glaube, dass der Grundsubstanz nur eine
-Spaltbarkeit in verschiedener Richtung zukommt. Da das Zahnbein
schichtenweise abgelagert wird, wovon sich noch hufig Spuren auf
dem Durchschnitte desselben finden, so ist es leicht denkbar, dass der
Zusammenhang zwischen diesen Schichten unter gnstigen Umstnden
zu lsen sein werde. Mir ist es gelungen, entsprechend der Schich-
tung, ganze Lagen der Zahusubstanz abzuspreugen, welche vollkommen
