	Beitrge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.	53

glatte Oberflchen hatten. Die Spaltbarkeit des Zahnknorpels nach
dem Verlaufe der Zahnrhrchen ist gleichfalls zu erklren, und es
scheint mir, dass man auf dieses Verhalten der Zahnsubstanz keine
weiteren Schlsse bezglich einer faserigen Structur derselben bauen
darf. Denn wenn man nicht zu gleicher Zeit nachweisen kann, wie
sich die Elementarfasern des Zahnknorpels, welche zwischen je zwei
Kanalehen liegen sollen, auf dem Querschnitte verhalten: so ist ihre
Existenz mehr als problematisch. Es ist die Breite dieser Zahnfasern
wohl gemessen worden, allein von ihrer Dicke ist nichts' angemerkt.
Wie soll man sich ihre Anordnung vorstellen, wenn eine derselben nur
zwischen je zwei Kanalehen liegen soll; wie ihr Verhalten an den
Verstelungsstellen der Zahnkanlchen, und wie bei den Anastomosen?
Eine klare Einsicht in solche Structurverhltnisse kann man nur dann
erhalten, wenn, man dieselben von mehreren Seiten untersucht, was
bezglich der Zahnfasern nicht geschehen ist.
	In Erwgung des Gesagten bin ich der Meinung, dass die Elemen-
tartheile, aus denen die Grundsubstanz des Zahnbeins entsteht, im
Verlaufe des normalen, ungestrten Entwicklungsprocesses innig mit
einander verschmelzen und in der Bildung einer structurlosen Masse
vllig aufgehen. Wir besitzen fr jetzt kein Mittel, die entwickelte
Grundsubstanz in ihre ursprnglichen Elementartheile aufzulsen, und
wir haben somit ein volles Recht, sie vorlufig fr structurlos zu erklren.
Die Spuren einer Schichtung, sowie die Spaltbarkeit nach dem Laufe
der Kanalehen knnen nicht fr einen Ausdruck von Structur der
Grundsubstanz im engem Sinne des Wortes genommen werden. Es
kommt hier wesentlich darauf an, sich darber zu verstndigen, welchen
Begriff man mit dem Worte Structur verbinden will. Unter Struetur
im engem Sinne glaube ich aber in der Gewebelehre die Art der Zu-
sammensetzung einer Substanz aus besonderen, selbstndigen, histo-
logischen Elementen verstehen zu mssen. Die Schichten, in welche
sich die Zahnsubstanz theilen lsst, und die faserigen Fetzen, welche
vom Zahnknorpel gerissen werden knnen, wird man aber gewiss nicht
zu histologischen Elementartheilen rechnen knnen. Im weitern Sinne
kann man Structur gleichbedeutend nehmen mit Zusammensetzung
berhaupt, was ein Begriff von weit grsserem Umfang ist. Eine
schichtenweise Zusammensetzung hat die Grundsubstanz allerdings,
allein auch diese ist gewhnlich gleichsam latent.
	Die ussere Oberflche der Zahnsubstanz wird, wie gesagt, theils
vom Schmelz, theils vom Cement berzogen, und zwar gewhnlich so
vollstndig berzogen, dass es zu den Ausnahmen gehrt, wenn die
Schmelzgrenze nicht zugleich genau der obern Begrenzungslinie des
