68 	Beitrge zur nikroskopischen Anatomie der menschlichen Zhne.

keit des Periosts berhaupt, welche auf der Wrzburger Mikroskopie
angestellt wurden, ein negatives Resultat gegeben haben). Eine Rei-
zung dieser Nerven kann aber (wenn der Zahn ganz unversehrt ist),
von aussen her nur entweder durch eine Bewegung des ganzen Zahnes
hervorgebracht werden, wodurch eine Zerrung der Nerven oder ein
Druck auf die in die Wurzel eintretenden Nervenstrnmchen ausgebt
wird, oder durch eine totale oder partielle Erschtterung, welche jedoch
von einer gewissen Heftigkeit sein muss, damit sie sich bis zu den
Nerven hinein fortpflanzt. Wrme, Klte und andere specifische Reize
mssen durch die Substanzen des Zahnes bis zu den Nerven fortge,-
leitet werden, um auf dieselben einwirken zu knnen.
	Was die Schrfe der Empfindung in den Zhnen betrifft, so ist
dieselbe ziemlich gering, indem wir nur unklar unterscheiden knnen,
wo, an welchen Stellen ein bestimmter Zahn berhrt wird. Der wirre
Verlauf der Nerven in der peripherischen Ausbreitung derselben kann
dies vielleicht einigermassen erklren; berdies ist noch der Umstand
zu bercksichtigen, dass die durch die Berhrung an einer Stelle er-
zeugten Erschtterungen sich in grsserer Ausdehnung der festen
Zahnsubstanz mittheilen, und daher bei jeder Berhrung wohl alle
Nerven, freilich mehr oder weniger stark, erschttert und gereizt wer-
den mssen. Es ist hiernach eigentlich sehr bemerkenswerth, dass die
Zhne relativ doch noch so viel Schrfe der Empfindung haben.
	Man hat hier an den Zhnen ein schnes Beispiel, in welcher Weise
die Beschaffenheit eines sensitiven Organs und die physikalische Qualitt
seiner Substanzen bestimmend und modificirend auf die Brauchbarkeit
und die Function desselben einwirken kann.
	Wenn die Nerven in den Zhnen wirklich auch so angeordnet und
'eingerichtet wren, dass sie noc weit schrfer, als in ihrer jetzigen
Anordnung, gleichzeitige und rumlich von einander entfernt einwir-
kende Reize in der Empfindung rumlich zu sondern im Stande wren,
so wrden die Zhne aus dem angegebenen Grund wahrscheinlich doch
keine feinfhlenden und ausgezeichneten Tastwerkzeuge sein,
obschon sie natrlich trotzdem feinfhlend genannt werden mssten.
	Es verhielte sieh dabei gerade so, wie bei einem Auge, welches
aus einer sehr scharf empfindenden Retina und aus einem sehr unvoll-
kommenen, ganz undeutliche Bilder entwerfenden optischen Apparate
bestnde.
	Dieses Auge wrde zwar ein sehr schlechtes, unbrauchbares S eh -
we rk z eng sein; allein es wrde immerhin die auf seiner Retina ent-
worfenen Bilder bis auf die kleinsten Zerstreuungskreise genau und
