48 	Beitrge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zhne.

einen Zahn der Lnge nach in zwei Hlften, schleife die Schnittflche
glatt und betrachte mit einer Loupe die neu entstandene Kante, obei
man zu gleicher Zeit die Durchschnittsflche und die ussere Oberflche
des Schmelzes bersehen wird. Bei gehriger Beleuchtung erscheinen
dann die Streifensysteme beider Flchen auf einmal, und. man wird die
Ueberzeugung gewinnen, dass dieselben in wesentlicher Beziehung mit
einander stehen, indem sie eigentlich bios ein verschiedener Ausdruck
eines und desselben Structurverhltnisses sind und wesentlich durch
dieselben Ursachen bedingt werden. Demgemss machen die den auf
einander folgenden Schichten der quer und lngs durchschnittenen
Prismen entsprechenden Streifen, weiche an Lngsschliffen beobachtet
werden, ganz denselben Wechsel von Dunkel- und Hellsein durch, wie
die Streifen andern Flchenshni.tte, wenn man das Prparat dein auf-
fallenden Lichte auf die oben beschriebene Weise durch allmhliche
Drehung unter verschiedenen Winkeln entgegensetzt. Man sieht die
Streifen dann am deutlichsten, wenn man sie der Richtung der Licht-
strahlen parallel stellt; dreht man den OBERHuSER'schen Objecttisch
um 90, so verschwindet die Zeichnung so ziemlich ganz, und. das Ob-
ject erscheint gleichmssig erleuchtet; dreht man um weitere 900, so
kommt die Streifung wieder zum Vorschein, allein, so zu sagen, als
negatives Bild. Die Streifen, die frher dunkel waren, sind jetzt hell,
und umgekehrt. Eine weitere Drehung um 900 macht die Streifung
wieder verschwinden, welche schliesslich jedoch abermals, und zwar
ganz so, wie vor der Drehung, auftritt, wenn der Kreisbogen vollen-
det wird.
	So ist dies wenigstens gewhnlich der Fall; doch knnen natr-
lich durch eine besondere Anordnung der Prismen Abweichungen von
diesem Schema bedingt werden.
	Es ist brigens nicht nothwendig, die beschriebene Erscheinung
unter dem Mikroskope zu beobachten; es gengt, wenn man sich mit
dem Zahn in der Hand an's Fenster stellt und eins der beiden Streifen-
Systeme mit der Loupe betrachtet, und dann seine Stellung gegen das
Licht verndert. Schliesslich will ich noch bemerken, dass man sieh
das Fixiren eines oder mehrerer Streifen sehr erleichtert, wenn man
mit Dinte oder auf irgend eine andere Weise die betreffende Stelle
markirt.
	Nachdem ich hiermit eine mglichst klare Darstellung der Rich-
tung, des Verlaufs und der Anordnung der Schmelzprismen, mit einem
Worte, der Faserung des Schmelzes zu geben versucht habe, will ich
noch einige Bemerkungen ber die Hohlrume und Kanalehen im
Schmelze, sowie ber die Frbungen des Schmelzes hinzufgen.
