	Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne.	45
Prismen kommen nur in dem untersten Theile des Schmelzes vor; im
Allgemeinen sind die Prismen jedoch mehr oder weniger steil nach
aussen und oben gerichtet; in der Spitze stehen sie aufrecht. Eine Ab-
weichung der Richtung aus der Längsschnittsebene findet fast bei allen
Prismen statt.
	Der Verlauf der Schmelzprismen ist ebenso mannigfaltig, als ihre
Richtung. Wir sehen die Prismen in der verschiedensten Weise von
der innern zur äussern Schmelzoberfläche ziehen, bald ganz gerade
gestreckt, bald einfach gekrümmt, bald wellenförmig gebogen, bald
wirklich geknickt u. s. w. Ihr letztes peripherischcs Ende ist stets
gerade gestreckt und steht sehr häufig senkrecht auf der äusseren
Schmelzoberfläche auf. Die Prismen haben gruppenweise immer den-
selben Verlauf und bilden so gewöhnlich um die ganze Krone herum
Schichten von regelmässigem Ansehen. Betrachtet man den Schmelz
mit dem blossen Auge oder einer Loupe, indem man der Zahnkrone
eine gewisse, schwer zu beschreibende Neigung gegen das einfallende
Licht giebt, so wird es nach einigen Versuchen meist gelinge ein
System von abwechselnd auf einander folgenden dunklen und helleren
Streifen in der Substanz des Schmelzes erscheinen zu sehen, welche
ähnlich, wie die oben beschriebenen Wülstchen, in querer Richtung
urn die Zahnkrone rings herum ziehen, jedoch viel breiter sind, als
diese, sich öfters gabelförmig theilen und nicht immer in sich selbst
zurücklaufen. Diese eigenthümliche Zeichnung liegt nicht oberfläch-
lich, sondern gleichsam in der Dicke des Schmelzes, und macht den
Eindruck, als ob sie durch ein Structurverhältniss der tieferen Lagen
des Schmelzes hervorgebracht würde. Dies ist auch in der That so;
denn nimmt man Zähne aus dem Zahnsäckchen, an denen der Schmelz
noch nicht in seiner ganzen Dicke abgelagert ist, und betrachtet ihn
bei auffallendem Lichte, so sieht man das eben beschriebene Streifen-
system mit aller Deutlichkeit ganz oberflächlich liegen, zum Beweise,
dass dasselbe durch einen eigenthümlichen Verlauf der Schmelzprismen
in den tieferen Schichten bedingt wird und im fertigen Zahn, nach
vollendeter Ablagerung des Schmelzes, durch die peripherischen
Schichten, welche die tieferen später überdecken, allerdings nur
durchschimmern kann.
	Dieses Streifensystem hatte ich im Sinne, als ich vorhin darauf
aufmerksam machte, die an den unausgebildeten Milchzähnen vorkom-
mende Zeichnung nicht etwa für die an den bleibenden Zähnen be-
schriebene wulstige Beschaffenheit der äusseren Schmelzoberfläche zu
nehmen.
Hervorgebracht werden aber diese abwechselnd auf einander fol-
