46 	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.


genden hellen und dunkleren Streifen durch die regelmässigen Zick-
zackbewegungen der Schmelzprismen, indem die Lichtstrahlen unter
verschiedenen Winkeln auf die Seitenfläehen der Prismen auffallen und
daher bald in das Auge des Beobachters  reflectirt werden, bald keine
in dieser Richtung reflectirende Oberfläche finden, wodurch dann noth-
wendig helle und dunkle Stellen entstehen müssen. Würden alle Pris-
men grade gestreckt auf dem kürzesten Wege von der innern zur
äussern Oberfläche des Schmelzes ziehen und niemals gruppenweise
einen gebogenen Verlauf haben, so könnten solche helle und dunkle
Streifen gar nicht entstehen. Da die letzten peripherischen Enden der
Prismen gerade gestreckt verlaufen, so erklärt es sich, warum diese
Zeichnung nur an unausgebildeten Zähnen ganz oberflächlich, an aus-
gebildeten hingegen aus der Tiefe  hervorschimmernd  erscheint.
	Von der Richtigkeit der gegebenen Erklärung kann man sieh auf
folgende Weise leicht überzeugen. Man untersuche zuerst mit einer
mässigen Vergrösserung an einem nicht allzu dünnen Flächenschliffe
des ahmelzes den Verlauf der Prismen bei durchfallendem Lichte und
vertausche, nachdem man eine genügende Anschauung davon erhalten
hat, das durchfallende Lieht mit einer zweckmässigen Beleuchtung von
oben, um die beschriebenen hellen und dunklen Streifen zu sehen.
Durch Vergleichung beider Bilder, unter Berücksichtigung der Richtung
der einfallenden Lichtstrahlen, wird sieh dann herausstellen, dass an
dem ganzen Phänomen nur die verschiedene Reflexion der Lichtstrahlen,
welche durch die verschiedene Neigung der Biegungen der Prismen
gegen das Licht bedingt wird, Schuld ist. Wird nämlich das Präparat,
während man es genau beobachtet und einen oder mehrere Streifen
aufmerksam und unverwandt mit dem Auge fixirt, auf dem Objecttische
so gedreht, dass die Biegungen der Prismen, welche erst durch ihre
bestimmte Neigung die Lichtstrahlen zurückwarfen, nun nach und nach
in die entgegengesetzte Stellung zum Lichte gebracht werden, und
umgekehrt (was am besten auf dem drehbaren Tische der OBERHÄUSER'-
sehen Mikroskope geschieht), so bemerkt man, wie die Streifen nach
und nach an Deutlichkeit abnehmen und einer gleichmässigen Beleuch-
tung und Erhellung des Objects Platz machen und schliesslich in der cut-
gegengesetzten Schattirung allmählich wieder zum Vorschein kommen.
Die bei der früheren Stellung des Objects zum einfallenden Lichte hell
erscheinenden Streifen werden nach einer Drehung von beiläufig 180,
dunkel, die dunkel erscheinenden hell. Wird das Object in derselben
Richtung weiter gedreht, so löst sieh die Streifung abermals in eine
gleichmässige Erhellung auf, und ist man endlich nach einer Drehung
von 3° auf den alten Fleck gekommen, so erscheint die Schattirung
