54 	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne.

Cements entspricht, und so am Halse des Zahnes grössere. Stellen
unbedeckt bleiben. Der Theil der Oberfläche, welcher mit dem Schmelz
in Berührung kommt, ist meistentheils uneben und entspricht vollstän-
dig der Beschaffenheit der innern Schmelzoberfläche; er ist, so zu
sagen, ein Abdruck der letzteren; der Theil, welcher an das Cement
stöst ist hingegen fast ganz glatt und eben.
	Die Zahnsubstanz grenzt sich gewöhnlich sehr scharf gegen die
beiden sie bedeckenden Substanzen ab; zwischen Schmelz und Zahn-
substanz ist dies immer der Fall, das Cement ist jedoch manchmal
weniger scharf gegen die Zahnsubstanz abgesetzt. Man findet nicht
selten die äusserste Schicht der Zahnsubstanz ganz homogen beschaffen
und auf Durchschnitten als einen dünnen, hellen Streif zwischen die
Substanzen gleichsam hineingeschoben. Auch an jungen Zähnen,
welche ihren Cementitherzug noch nicht vollständig erhalten haben,
erscheint diese Schicht sehr deutlich, und es liegt nahe, zwischen ihr
und der Membrana prueformatira eine Beziehung zu suchen.
	Die innere der Keimhohle zugewendete Oberfläche der Zahn-
substanz zeigt eine ganz besondere Beschaffenheit, welche aller Berück-
sichtigung werth ist. Um dieselbe zu untersuchen, macht man einen
Flächenschnitt von der Wand der Keimhöhle und schleift mit Schonung
der zu untersuchenden Seite, also von aussen her das Scheibchen so
dünn, als es nothwendig erscheint. Die Gewohnheit, beim Zubereiten
der Zahnschliffe abwechselnd bald die eine, bald die andere Seite der-
selben auf den Stein zu legen und ab'zusehleifen, mag daran Schuld
haben, dass die eigenthtimliehe Beschaffenheit der Wand der Keimhöhle
noch nicht genau erkannt ist; denn es genügen einige wenige Züge
über den Schleifstein, um dieselbe zu verwischen oder ganz und gar
zu vernichten. Das so bereitete Präparat legt man mit der abgeschlif-
fenen Fläche auf das ObjectgIschen, damit die zu untersuchende Seite
dem Beobachter unmittelbar zigewendet sei, und betrachtet es mit einer
3-400maligen Vergrösserung. Die Zahnsubstanz erscheint dann an
ihrer inneren Oberfläche nicht als ein gleichmässiges Ganze, sondern
bestehend aus Kugeln von ve,schiedenem Durchmesser, welche in ver-
	chiedenem Grade unter einuder zu einer Masse verschmolzen sind,
und auf welcher die Zahnkailchen gegen die Keimhöhle 'ausmünden.
Bei Beleuchtung von oben erkennt man diese tropfsteinartige Beschaf-
fenheit der innern Oberfläche der Zahnsubstanz sehr deutlich durch die
verschiedene Beleuchtung der kugligen Erhabenheiten und durch die
Schatten, welche sie werfen. Man hat es hier offenbar mit einem Ent-
wicklungsstadium der ZahinsNbstanz zu thun, denn je älter der Zahn
ist, desto weniger auffallend ist im Allgemeinen dies Verhalten, und
