	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.	55

desto gleichmässiger wird die Oberfläche der Wand der Keimhöhle;
in ganz alten Zähnen kommen wieder bedeutendere Unebenheiten da-
selbst vor, welche jedoch nicht kuglig sind, sondern ein narbenartig
verzogenes Ansehen haben. Am besten ist es, das Präparat von einem
Zahn zu machen, dessen Wurzel noch nicht völlig geschlossen ist. Auf
solchen Präparaten überzeugt man sich leicht, class die Grundsubstanz
der zuletzt gebildeten Schichte des Zahnbeins wenigstens theilweise in
Form von Kugeln auftritt, welche unter einander und mit den Kugeln
der vorletzten Schichten verschmelzen, und dass der Durchmesser der-
selben gegen die Peripherie der Zahnsubstanz im Allgemeinen immer
kleiner und kleiner, ja punktförmig wird. Die Mehrzahl dieser Kugeln
ist von einem oder mehreren Röhrchen von innen nach aussen quer
durchbohrt. Sehr häufig jedoch erscheinen sie ganz homogen und ent-
halten kein Röhrchen.
	So verhält sich die Sache von der Fläche aus gesehen (vgl. Taf. 6,
Fig. 1'). Auf Quer- und Längsschliffen, welche durch die Keimhöhle
gehen, nimmt sich diese Beschaffenheit der innern Oberfläche der
Zahnsubstanz natürlich anders aus. Während die Zahnröhrchen bei
der ersten Ansicht dem Beobachter ihre Lumina zukehrten, präsentiren
sie sich auf Quer- und Längsschliffen von der Seite. Die zum Theil
verschmolzenen Kugeln, welche mehr oder weniger kreisrund erschie-
nen, müssen im Durchschnitt halbkuglige Erhabenheiten darstellen
und der der innern Oberfläche der Zahnsubstanz entsprechenden Con-
tour das Ansehen geben, als ob sie aus lauter Segmenten von Kreislinien
zusammengesetzt wäre. Je weniger die Kugeln verschmolzen sind,
desto ähnlicher erscheinen sie auch am Durchschnitt vollständigen Ku-
geln. Man sieht zugleich, wie die die Kugeln durchbohrenden Röhrchen
Theile der Zahnkanälchen sind, welche erst bei der Verschmelzung der
Grundsubstanz mit dem ihrer Richtung entsprechenden Zahnröhrchen
zusammenstossen und ein Ganzes bilden. Es gelingt übrigens nicht
immer, Quer- und Längsschliffe zu fertigen, welche zu dieser Unter-
suchung taugen, weil eben wegen der Unebenheit des zu untersuchen-
den Randes beim Schleifen, aber namentlich beim Sägen der Scheib-
ehen leicht Beschädigungen stattfinden.
	Nimmt man ganz junge, in der Bildung begriffene Zähne frisch
aus dem Zahnsäckchen heraus und betrachtet, nachdem man den Zahn
einfach in zwei Hälften gespaltet hat, die innere Oberfläche der neu-
gebildeten Zahnsubstanz, so findet man die Kugeln in der beschriebenen
Weise, wie an den Präparaten von trocknen und weiter entwickelten
Zähnen, wieder; nur scheinen die Kugeln nicht oberflächlich, sondern
in der Substanz der neuentstandenen Zahnmasse zu liegen.
