Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Ziihne. 59

	Uebrigens ist hierzu noch anzuführen, wie verschieden in einem
und demselben und. in verschiedenen Zähnen das Ansehen jener Inter-
globularräume ist, welche an der Grenze zwischen Cement und Zahn-
substanz liegen; bald erscheinen nämlich die sie begrenzenden Kugeln
deutlich und unverkennbar, bald hingegen ganz und gar verwischt.
	Man wird aber doch nicht glauben wollen, dass diese Hohlräume
einmal durch das Auseinanderweichen oder Nichtversclimelzen der
Zahnsubstanzkugeln, das andere Mal auf eine andre Weise entstehen.
	Demnach halte ich die betreffenden Hohlräume für wahre Inter-
globularräume und glaube überhaupt an die Möglichkeit, dass blicken,
welche längere Zeit hindurch zwischen den Kugeln bestanden haben,
selbst später noch in ihrer Gestalt verändert werden, ja selbst noch
verschwinden können.
	Ob Knochenkörperchen in der Zahnsubstanz überhaupt vor-
kommen, ist aber eine andre, schwer zu entscheidende Frage. Nach
dem, was ich gesehen habe, möchte ich es noch bezweifeln. Man
darf nicht jeden ramificirten Hohlraum gleich für ein Knochenkörper-
chen erklären. Ein Knochenkörperchen ist ein aus einer Zelle durch
einen bestimmten Entwicklungsvorgang entstandenes Gebilde, und
daher sind Hohlräume, welche auf eine andre Weise und nicht aus
einer Zelle sich herausbilden, wenn sie auch vollständig den Knochen-
körperchen ähnlich sähen, durchaus nicht mit diesen zu verwechseln.
	Mir ist übrigens mitten unter den Kanlilehen der Zahnsubstanz bis
jetzt noch niemals ein Hohlraum vorgekommen, welcher einem aus-
gebildeten, legitimen Knochenkörperchen vollständig gleich ge-
sehen hätte. Wenn auch eine histologische Verwandtschaft zwischen
Knochen- und Zahnsubstanz zugegeben wird: so ist es darum noch
nicht nothwendig, dass Elemente der einen in der andern vorkommen
müssen. Wo immer Zahnsubstanz und Knochenmasse in unmittelbare
Berührung treten, wie z. B. auch bei pathologischen Ablagerungen
von Knochensubstanz innerhalb der Keimhöhle, findet man zwischen
den Grundsubstanzen Beider eine mehr oder weniger scharfe, oft sehr
auffallende Grenze und Verschiedenheit der Färbung. Es wäre die
Frage, ob Knochenkörperchen auch in verschiedener Grundsubstanz
vorkommen können. Obgleich dieselbe nicht zu verneinen ist, so
möchte ich doch noch, den Nachweis durch Beobachtungen abwarten,
dass gewöhnliche Knochenkörperchen mitten in der Zahnsubstanz hier
und da wirklich zu finden sind.
	Die Beschreibung der Hohlräume der Zaiinsubstanz führt uns zur
Betrachtung der Zahnkaniilchen, welche constante und wesentliche
Formbestandthejle der Zahnsubstanz sind. Ueber den Verlauf und
