60 	Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menehIichen Zähne.

die Anordnung derselben besitzen wir sehr genaue Untersuchungen,
und ich halte es für überflüssig, das darüber Gesagte noch einmal zu
sagen. Nur das möchte ich hinzufügen, dass die Zahnkanälchen öfter,
als man gewöhnlich annimmt, einen unregelmässigen, wirren Verlauf
haben; namentlich ist dies der Fall in dem Wuizeltheile der Zahn-
substanz und in der Pars alveolaris.
	So bekannt auch der Verlauf und die Anordnung ist, und so oft
die Zahukanälchen Gegenstand genauer Untersuchungen waren, so
giebt es doch noch in Bezug auf dieselben mehrere streitige Punkte.
Abgesehen von der Art ihrer Entstehung, von er wir nichts Genaues
wissen, sind es namentlich die zwei Fragen, welche noch nicht über-
einstimmend von den verschiedenen Forschern beantwortet sind: erst-
lieh, ob die Zahnröhrchen eigene Wandungen besitzen[; und zweitens,
auf welche Weise die Aeste der Zahnröhrchen endigen.
	Nach meinen Untersuchungen halte ich mich für überzeugt, dass
die ausgebildeten, normalen Zahnkanälchcn allerdings selbständige
Wandungen besitzen, welche aber nicht in allen Zähnen mit derselben
Deutlichkeit nachgewiesen werden können. Am Besten sieht man die
Wandungen an Querschliffen, an denen die Zahnkanälchen quer oder
schräg durchschnitten sind. Es erscheint um das punktförmige Lumen
der Zahnröhre ein mehr oder weniger breiter, meist gelblich gefärbter
Saum, welchen schon PURKINi als den Durchschnitt der Wandung
gedeutet hat. In manchen Fällen ist die äussere Contour dieses
Saumes in der That nicht scharf, und man kann versucht sein, den-
selben für eine optische Täuschung auszugeben; allein häufig genug
sieht man die äussere Contour so scharf und bestimmt, dass man durch-
aus nicht den geringsten Zweifel haben kann, dass dieser Saum wirk-
lich der Durchschnitt einer selbständigen Wandung sei. Hiernach
bleibt nur anzunehmen, dass die Wandungen der Röhrchen in vielen
Fällen überaus dünn oder vielleicht durch irgend einen Vorgang ganz
verschwunden sind. Gegen die feineren Verzweigungen hin nehmen
die Wandungen unter allen Umständen an Dicke ab.
	Was die zweite Frage betrifft, so habe ich gesehen, dass die
Zahnröhrchen auf verschiedene Weise endigen. Die Zahnröhrchen
theilen sich an allen möglichen Stellen ihres Verlaufs in Aeste, ganz
nahe an der Keimhöhle, weiter entfernt von ihr, und oft erst unmittel-
bar an der Peripherie. Häufig geben die Hauptäste eine unendlich
grosse Anzahl überaus feiner Zweigehen während ihres ganzen Ver-
laufes ab (vgl. Fig. 5).
	Die durch die Theilungen entstandenen Aeste eines Zahnkanäl-
chens anastornosiren nun entweder mit den Aesten anderer Röhrchen,
