62 	Beitrage zur inikro.kopischen Anatomie der menschlichen Zahne.

Moment des Zahnsaftes prociamiren dürfte. Ein andres Moment,
welches jedenfalls eine Bewegung der Ernährungsflüssigkeit bedingen
muss, ist die Ausschwitzung neuer Flüssigkeit aus den Gefässen der
Pulpa. Ich glaube daher, dass die Ernährungsflüssigkeit keineswegs
in dem Röhrensysteme des Zahnbeins stagnirt, sondern dass sie in un-
regelmässiger, nicht genau determinirter Richtung bewegt werde, und
dass in Bezug auf die Gefässe der Pulpa endosmotische und exosmo-
tische Strömungen in der Flüssigkeit zu Stande kommen können.
	Auch auf dem Durchschnitte der Zahnsubstanz kommen ähnlich,
wie an jenem des Schmelzes, eigenthuimliche Streifen vor. Auf Quer-
schnitten sind sie kreisrund, oval, oder nach einer andern krummen
Linie gebogen; auf Längsschnitten laufen sie schräg von aussen und
unten nach innen und oben, und zwar auf beiden Seiten der Keim-
höhle; Oberhalb der Keimhöhle vereinigen sich die Streifen der einen
Seite mit jenen der andern bogenförmig, oder stossen, wie dies nament-
lich in dem äussersten Theile der Spitze geschieht,, unter einem mehr
oder weniger spitzen Winkel zusammen (Fig. 2). Da die Grundsub-
stanz des Zahnbeins völlig durchsichtig ist, und die glänzend weisse,
perlmutterartige Beschaffenheit der Zahnsubstanz nur durch die mit
Luft gefüllten Hohlräume in derselben bedingt wird, so muss diese
Streifung von besonderen Verhältnissen der Zahnkanälehen und der
Interglobularräume abhängen. Diese regelmassige Streifung ist gleich
den Jahresringen im Holze der Ausdruck einer schichtenweisen Ab-
lagerung und stimmt genau mit der Krümmung der Lagen überein, in
welchen die Zahnsubstanz abgesetzt ulrd. Untersucht man bei durch-
fallendem Lichte die bei der Beleucliting von oben hell erscheinenden
Streifen genau, so erkennt man, dass an diesen Stellen entweder Inter-
globularräuine vorhanden sind (Fig. ?, oder dass die Zahnkanälchen
local erweitert oder wellenförmig gelogen sind, wodurch nothwendig
eine Vergrösserung der das Licht reficetirenden Fläche gesetzt ist. Es
kommen oft alle diese Momente zu gleicher Zeit zusammen, oft jedoch
findet sich nur das eine oder das aDhere Verhältniss als Grund der
hellem Färbung. -

C. Vom Ceuent.
	Wie der Schmelz die Krone, so überzieht das Cement den Hals
und die Wurzel der Zähne als eine mehr oder weniger mächtige
Schicht. Gegen das untere Ende -d Wurzel nimmt die Dicke der
Cementschicht zu.
	Histologisch betrachtet besteht das Cement aus denselben Form-
elementen wie die Knochensubstanz, nJAusnalime der Haversianischen
