	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.	63

Kanälchen, welche ich noch nicht im Cement gesehen habe. Man
findet zwar dann und wann ansehnlich dicke Kanäle im Cement; allein
dieselben schienen mir immer einen andern Charakter zu haben, als
wahre Knochenkanälchen. Ich besitze ein Präparat von einem sehr
alten Zahne, in dessen Cement sich eine bedeutend grosse Menge ver-
zweigter, dicker und varicöser Kanäle befinden, welche, mannigfach
gebogen, in verschiedener Richtung das Cement durchziehen, aber
durchaus nicht wie Haversianische Kanalehen aussehen. Auch in der
Sammlung des Breslauer physiologischen Instituts sah ich ein Präparat,
in welchem das Cement von zahlreichen dicken Kanälehen durchbohrt
war, die von aussen nach innen zogen und mit ihren blinden Enden
mitunter bis in die Zahnsubstanz hineinreichten. Sie waren theilweise
mit Luft gefüllt, einige von ihnen am Ende gabelfbriig getheilt. Sie
standen theils in Gruppen bei einander, welche aus einer gemeinschaft-
lichen Vertiefung der äussern Oberfläche des Cements entsprangen,
theils verliefen sie isolirt. Auch diese Kanalehen erinnerten nicht an
die im Knochen vorkommenden verzweigten Röhren, welche unter dem
Namen der Haversianisehen Kanälehen bekannt sind.
	Die Knochenkörperchen des Cements stimmen im Allgemeinen mit
jenen der Knochen überein; nur sind ihre Ausläufer meist zahlreicher,
feiner, und von wirrem Verlauf, so dass man beide Sorten von Kno-
chenkörperchen gewöhnlich auf den ersten Blick aus einander kennen
kann. Die Entstehung der Knochenkörperchen aus Zellen ist sehr
schön an jenen Stellen der schmelzfaltigen Thierzähne zu erkennen,
wo Cement und Schmelz zusammenstossen. Die Knochenzellen liegen
oft ganz isolirt in der letztem Substanz und zeigen die Verdickung
ihrer Wandungen sehr deutlich. Ich habe Fig. 7 eine Abbildung da-
von gegeben.
	Nebst den Knochenkörperchen kommen noch dünne Kanalehen
vor, welche manchmal wie Sprünge aussehen und nicht selten sehr
zahlreich, verzweigt und von gekrümmtem Verlaufe sind; ihre Richtung
ist quer durch das Cement hindurch (vergl. Fig. 5).
	Diese verschiedenen Hohlräume des Cements stehen häufig unter
einander in Verbindung; doch kann man sich leicht überzeugen, dass
im Cement kein zusammenhängendes Röhrensystem besteht; ja man
findet an vielen Präparaten lange Strecken weit oder überhaupt gar
keine Spur irgend eines dieser Hohlräume, und das Cement erscheint
homogen.
	Die Grundsubstanz des Cements hat- sehr häufig das Ansehen einer
lamellösen Zusammensetzung, wie jene der Knochensubstanz; doch ist
dieselbe nicht immer so deutlich und regelmässig, wie im Knochen.
