﻿66 Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne.
fasern, namentlich in ihrer oberflächlichen Verbreitung; allein ich konnte niemals bemerken, dass die Faser nach ihrer Umbiegung die Pulpa wirklich wieder verlasse; denn entweder bog sie sich nach längerem oder kürzerem Verlauf abermals gegen die Spitze hinauf oder verschwand dem Blicke spurlos.
Ob die Aeste der Zahnnervenfasern frei endigen, ob sie Endschlingen oder Netze bilden, oder was sonst mit ihnen geschieht, muss icli unentschieden lassen. —
Noch in einem andern zum Zahnapparate gehörenden Gewebe abgesehen von der Pulpa, in welcher man von der Existenz der Nerven schon lange wusste), habe ich Nerven gefunden — nämlich im Periost der Zähne.
Es ist bekannt, dass sich zwischen der äussern Oberfläche der Zahnwurzel und der Innenfläche der Alveolen, hauptsächlich wohl zur Befestigung der Zähne , eine straffe Zellgewebsmasse befindet, welche man als ein gemeinschaftliches Periost der Alveole und des Zahnes an-sehen kann. Bricht man einen Zahn aus seiner Alveole heraus, so ' bleibt diese Zellgewebsmasse in grösserer oder geringerer Ausdehnung auf dem Zahne sitzen, und es genügt für die mikroskopische Untersuchung, Partieen derselben vorsichtig mit dem Messer abzupräpariren. In solchen Fetzen nun habe ich sehr häufig Nerven und Blutgefässe gefunden, nachdem icli zur Vermehrung der Durchsichtigkeit das Präparat mit Essigsäure behandelt hatte. Mir ist es nicht bekannt, dass an dieser Stelle schon früher Nerven beschrieben worden sind.
Der Reichthum der Zähne an sensitiven Nerven ist überaus gross, und es erklären sich zum Theil hieraus die enormen Schmerzen, welche in Folge von pathologischen Processen oder sonstigen Vorgängen an unserm Zahnapparate auftreten, und die bedeutende Empfindlichkeit gegen gewisse Reize, trotz der überwiegenden Masse unempfindlicher, starrer Substanzen, welche die Zähne zusammensetzen ; obschon auf der andern Seite gerade diese starren, mit so viel unorganischen Be-standtheilen durchdrungenen Substanzen in ihrer besondern Anordnung um die sensitiven Apparate herum auch wieder Verhältnisse setzen, welche als günstige Momente für die Reizung der Nerven betrachtet werden müssen und selbst dann eine grössere Schmerzhaftigkeit und Empfindlichkeit der Zähne bedingen würden, wenn auch nicht so viele sensitive Nerven vorhanden wären.
Icli reflectire hierbei einmal auf den Umstand, dass die nervenreiche Pulpa in einer beschränkten, mit starren, unnachgiebigen Wandungen versehenen Höhle eingeschlossen ist und daher bei entzündlichen Processen, welche mit Exsudatbildung innerhalb der Keimhöhle