	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne.	41

substanz einzuschneiden scheinen, in entsprechende ringförmige Wülste
abgetheilt und erscheint in Folge dessen als eine Schichte von sehr
ungleichmässig wechselnder Mächtigkeit, woraus auf eine Störung der
Function des Schmelzorgans während der Bildung des Zahnes ge-
schlossen werden darf. Die Breite der Wülste, welche am häufigsten
am unteren Theile des Schmelzes (bis 4, 5 ... an Zahl) vorkommen,
beträgt oft den dritten Theil einer Linie und darüber. Diese Formen,
die an übrigens ganz gesunden und normalen Zähnen zu finden sind,
machen den Uebergang zu den krankhaften Bildungen des Schmelzes.
	Weder die innere, noch die äussere Oberfläche des Schmelzes ist
glatt und eben. Die erstere zeigt kleine, durch vorspringende Bündel
von Prismen gebildete, rundliche Höcker und papillenartige Erhaben-
heiten und diesen entsprechende Vertiefungen, welche in allen Ab-
stufungen - bald auffallend entwickelt, bald ganz verstrichen - zu
finden sind; die letztere lässt neben geringen unregelmässigen Uneben-
heiten fast immer noch ein besonderes System von feinen, sehr zahl-
reichen, regelmässigen Furchen und Wtilstchen erkennen, auf welche
ich schon oben als eine Spur des eigenthümlichen normalen Ablage-
rungsprocesses der Schmelzsubstanz zum Unterschiede von den be-
schriebenen groben Furchen und Wülsten, die nur der Ausdruck eines
gestörten, veränderten I3ildungsprocesses sind, hingewiesen habe.
	Natürlich sucht man an alten, überhaupt an abgenutzten Zähnen
häufig vergebens nah dieser zierlichen Zeichnung, wenigstens an jenen
Theilen der Krone, welche durch die mechanischen Einflüsse beim
Geschäfte des Kauens am meisten leiden. Auffallend ist aber der
Umstand, dass ich die regelmässig wulstige Beschaffenheit der
Schmelzoberfläche an den ersten oder sogenannten Milchzähnen niemals
entdecken konnte, dass somit dieselbe ein charakteristisches Zeichen
für die zweiten oder bleibenden Zähne zu sein scheint, aus welchem
auf eine Verschiedenheit in der Ablagerung des Schmelzes der blei-
benden und der vorläufigen Zähne zu schliessen wäre. Uebrigens muss
ich, um Missverständnissen vorzubeugen, gleich hier bemerken, dass
an der Krone der Milchzähne, an denen der Schmelz noch nicht völlig
-gebildet, noch nicht in seiner ganzen Dicke abgelagert ist, auch ein
System von Streifen in die Augen fällt, welches jedoch von dem in
Rede stehenden wohl u unterscheiden ist und erst später gewürdigt
Werden wird.
	Was nun die Furchen und Wulste auf der äusseren Oberfläche des
Schmelzes näher betrifft, so ist zu bemerken, dass sie gerade oder
wellenförmig hin und hier gebogen, aber stets in querer Richtung an
dem Schmelz rings herum und in sich selbst zurück laufen. Sie be-
