42 	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.


halten ihre quere Richtung auch an dem unteren Theile der Krone
streng bei und gehen nicht mit der Schmelzgrenze parallel, wenn diese
gezackt oder stark nach oben oder unten ausgebogen ist. Die Breite
und die Tiefe einer und derselben Furche, sowie die Breite und die
Höhe eines und desselben Wulstes sind manchen Schwankungen unter-
worfen, so dass die ganze Zeichnung, betrachtet unter einer genügenden
Vergrösserung, an Regelmässigkeit verliert. Vergleicht man Furchen
und Wülste aus verschiedenen Regionen der Zahnkrone, so fallt es
gleich in die Augen, dass sie da nicht überall gleich erscheinen,, son-
dern gewöhnlich ganz stetig und nach und nach von unten nach oben
an Breite zunehmen. An der Schmelzgrenze findet man die Wulste
am wenigsten breit und ganh dicht gedrängt stehend, indem auch die
dazwischen liegenden Furchen sehr schmal sind. Je näher man der
Spitze der Zahnkrone rückt, desto breiter werden nach und nach die
Wülste und die trennenden Furchen; zugleich nehmen sie an Deutlich-
keit ab und verschwinden nahe unterhalb der Spitze endlich ganz.
Diese Zunahme an Breite bedingt, dass die Zahl der Wulste, welche
auf eine Maasseinheit geht, von der Basis gegen die Spitze hin immer
kleiner werden muss. Einige Messungen, welche ich darüber anstellte,
ergaben, dass auf den dritten Theil einer Linie von den Wülstchen
nahe an der Schmelzgrenze etwa 28-24, weiter oben 12-10, endlich
ganz oben, wo sie schon undeutlich wurden, nur noch 6-4 derselben
kamen. Man untersucht die Verhältnisse bei auffallendem Lichte 'mit
einer starken Loupe oder einer angemessenen Vergrösserung des
Mikroskops. Es hängt viel davon ab, wie man die Oberfläche des
Schmelzes gegen das einfallende Licht stellt; denn die wulstige Be L
schaffenheit derselben kommt nur dadurch zum Vorschein, dass die
Wülstchen zarte Schatten werfen. Bei unzweckmässiger Beleuchtung
sieht man von dem Allen nichts. Untersucht man Flächenschliffe des
Schmelzes, welche mit Schonung der äusseren Oberfläche gefertigt
wurden, bei durchfallendem Licht und mit starker Vergrösserung, so
wird man allerdings aus der Nothwendigkcit der Veränderung der Focal-
distanz auf die Unebenheiten der Oberfläche auch einen Schluss machen
können; allein es dürfte nicht leicht möglich sein, durch diese Methode
zu einer übersichtlichen Anschauung zu kommen, weil bei starker Ver-
grösserung, welche zur Beurtheilung der Dimension der Tiefe durch
die Focaldistanz doch unbedingt nothwendig ist, das Gesichtsfeld
relativ sehr klein, und wenig vom Objecte auf einmal zu übersehen ist.
	Wir haben bisher die Ausdehnung und verschiedene Mächtigkeit
der Schmelzschichte, sowie die Beschaffenheit ihrer äussern und innern
Oberfläche betrachtet und hiermit gleichsam den Raum abgesteckt,
