	Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.	47

ganz, wie am Anfang des Versuchs. Zur Bereitung der Präparate für
diese Untersuchung wählt man am besten junge Zitirne, die das Streifen-.
system deutlich erkennen lassen, und deren Schmelz noch nicht voll-
ständig abgelagert ist, weil man dann wenigstens an den unteren,
Theilen der Zahnkrone kaum genöthigt ist, etwas von der dünnen
Schmelzschicht abzuschleifen. Will man nicht zugleich den Verlauf der
Prismen bei durchfallendem Lichte untersuchen, sondern bbs den
Wechsel in der Schattirung der Streifen je nach ihrer Stellung gegen
das Licht studiren, so genügt es, den ganzen Zahn in einer passenden
Weise auf dem Objecttische zu befestigen.
	An Querschnitten des Schmelzes, welche nicht allzu dünn aus-
gefallen sind, kann man sich stellenweise von dem regelmässig gebo-
genen Verlaufe der Prismen gleichfalls eine Anschauung verschaffen,
und zugleich bei Veränderung der Focalthstanz die Bemerkung machen,
dass sich die Prismen lagenweise überkreuzen. Bei grösserer Focal-
distallz sieht man z. B. die Prismen nach links gebogen; verringert
man die Focaldistanz, um den Verlauf der tiefer liegenden Prismen
zu sehen, so zeigen sich dieselben oft in der entgegengesetzten Rich-
tung gekrümmt.
	An Längsschliffen bedingt die eigenthiimliche 'Faserung des
Schmelzes andere Bilder und Erscheinungen. Da nämlich die Prismen
je nach ihren Biegungen theils in der Ebene des Schliffes liegen, theils
sich mit derselben kreuzen, so müssen sie abwechselnd bald quer oder
schräg durchschnitten, bald der Länge nach von einander getrennt
werden. Weil aber ferner der Verlauf der Prismen gruppenweise der-
selbe ist, so erscheinen an Längsschliffen des Schmelzes regelmässig
abwechselnde Schichten von quer (oder schräg) und längs durchschnit-
tenen Prismen, welche bei auffallendem Lichte ziemlich genau hellen
und dunklen Streifen entsprechen, indem diese Schattirung nicht etwa
nur durch den verschiedenen Reflex des Lichtes von den durch den
Schliff erzeugten Oberflächen der Prismen, sondern hauptsächlich von
der Neigung der Prismen gegen die auffallenden Lichtstrahlen abhängt.
Man sieht die Streifen schon mit freiem Auge. Se haben nahe an der
Schmelzgrenze eine horizontale oder selbst etwas nach aussen und
abwärts geneigte Richtung; weiter oben stellen sie sich mehr auf und
ziehen schräg von unten und innen nach aussen und olen; sie verlaufen
gerade gestreckt oder nach unten convex gekrümmt und nehmen im
Allgemeinen an Breite nach unten zu. Ich habe bis 55 helle und eben
so viele dunkle Streifen in einer Reihe gezählt.
Um das Verhältniss dieses Streifensystems zu dem vorher beschrie-
benen, von der Fläche aus gesehenen zu untersuchen, schneide man
