58 	Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne.

	Bei auffallendem Licht erscheinen die Interglobularräume ganz
weiss, bei durchfallendem schwarz und undurchsichtig. Behandelt
man den Schliff mit einer Flüssigkeit, welche leicht in die feinen
Pörchen der Zahnsubstanz eindringt (z. B. mit Terpentinöl), so füllen
sich die Interglobularräurne mit derselben und werden ganz durch-
sichtig und hell, und ihre Begrenzungen treten sehr deutlich hervor.
Es ist kein Zweifel, dass die glänzend weisse Farbe der Interglobu-
larräume von derselben Ursache abhängt, wie jene silberweisse Be-
schaffenheit der Zalinkanälchen - nämlich von der Anfüllung nut
Luft. Ich habe auch weiter kein erhebliches Contentum in ihnen
finden können.
	Ueber die Interglobularräume muss ich übrigens im Allgemeinen
noch Folgendes bemerken. Die Gestalt der Interglobularräume ist in
den meisten Fällen so beschaffen, dass man ihre Begrenzung durch
Kugeln auf den ersten Blick erkennt; manchmal ist dies schon schwie-
riger. Es giebt aber auch Hohlräume, an denen man eine Begrenzung
durch sphärische Flächen geradezu nicht nachweisen kann, und man
dürfte geneigt sein, zu vermuthen, dass es in der Zahnsubstanz noch
Hohlräume andern Ursprungs, als die hterglobularräume, gäbe.
	Die in Frage stehenden Höhlen sehen den Knochenkörperchen
manchmal sehr ähnlich, nur dass sie oft viel grösser sind, als diese.
	Es wäre demnach zu untersuchen, ob dies etwa wirklich (viel-
leicht veränderte) Knochenkörperchen id, und ob sie überhaupt den
Interglobularräumen beizuzählen wären
	Nach meinen Beobachtungen muss ich die erste Frage negativ
beantworten, die zweite aber bejahen.
	Zur Begründung meines Ausspruchs habe ich zu bemerken, dass
diese Hohlräume sich gegen die Zahnkanälchen gerade so verhalten,
wie, die Interglobularräume, nämlich die Zahukanälchen in ihrem
Laufe unterbrechen, d. lt. dass die Röhrehen auf der einen Seite, so zu
sagen, in dieselben einmünden, auf der andern Seite aus ihnen ent-
springen. Wollte man nun diese Hohluäume durchaus für Knochen-
körperchen ansehen, so müssten die Zahnkanälcheu den Ausläufern
der Knochenkörperchen analog gesagt ierden, wozu man gar keine
Veranlassung hat.
	Ferner ist zu erwägen, dass die iugeln factisch auf sehr ver-
schiedene Weise zu einem Ganzen unter einander verschmelzen, wie
uns ein Blick auf Fig. I lehrt, und dass es daher ganz gut erklärbar
ist, wenn ein Interglobularraum keine sphärische Begrenzung hat.
Man braucht also diese Hohlräume nichtvon den Interglohularräumen,
als verschiedene Gebilde, zu trennen.
